Schliessen Gönnen Sie sich doch mal was! Sie benutzen den Internet Explorer 8 oder eine ältere Version. Der Internet Explorer 8 ist technisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand für das Internet, wodurch Ihr Internet-Erlebnis merklich eingeschränkt ist. Installieren Sie den Internet Explorer 9 oder einen anderen Browser (Google Chrome oder Mozilla Firefox) und nutzen Sie alle Möglichkeiten, die Ihnen das Netz bietet.

„Schülern zeigen, was sie können“


Sylvia Bretschneider im Gespräch mit SchülerreporternNEUBRANDENBURG.
Es ist kurz vor 17 Uhr. Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) wird von fünf Schülerreportern der Neubrandenburger Zeitung zum Interview empfangen. Anfangs sitzen die jungen Leute noch etwas schüchtern und unschlüssig, mit welchen Erwartungen sie an dieses Interview gehen sollen, um den großen Konferenztisch. Dann beginnt die Fragerunde.

Ist es nicht ungewohnt für Sie, bei einem Interview in so junge Gesichter zu blicken?
Nicht unbedingt. Ich finde es vor allem fantastisch, dass hier junge Leute für junge Leute schreiben. Jugendliche Journalisten haben sicherlich den besseren Draht zu den Menschen ihrer Altersgruppe. Es tut gut, solche hier nicht nur als Konsumenten, sondern auch als Produzenten zu sehen. Wenn man über Jugendthemen an das Zeitungslesen heranführt, kann dieses regelmäßige Informieren schnell zur Gewohnheit werden, und das ist ein positiver Effekt. Ich selbst bin fleißige Zeitungsleserin.

Für uns Jugendliche ist die Bildungspolitik ganz wichtig. Der erste Jahrgang des längeren gemeinsamen Lernens macht bald sein Abitur. Wie sieht Ihre Bilanz nach sieben Jahren aus?
Ich finde, absolut positiv zu erwähnen ist, dass sich die Schüler länger auf die kommenden Herausforderungen der Sekundarstufe 1, von Klasse 7 bis 9, einstellen können. Meiner Meinung nach wird der Bildungsweg der Kinder sonst viel zu früh vorbestimmt. Die meisten Eltern wollen natürlich, dass ihr Kind den höchsten Bildungsabschluss erreicht. In der Orientierungsphase des längeren gemeinsamen Lernens kann die weitere schulische Entwicklung des Schülers deutlich besser eingeschätzt werden.

Dazu kommt aber doch, dass die Zeit bis zum Abitur wieder auf zwölf Jahre verkürzt wurde. Steigert das nicht den Druck auf die Schüler?
Benachteiligt sind wegen der langen Schulwege die Jugendlichen aus dem ländlichen Raum. Insgesamt ist die Belastung der Schüler in der Oberstufe durch das so genannte „Turboabitur“ natürlich sehr hoch, aber zu bewältigen.

Dennoch schaffen häufig Schüler den Weg zum Abitur nicht. Gerade wurde auch die Diskussion um das Thema „Sitzenbleiben“ neu entfacht. Wie beurteilen Sie als ehemalige Lehrerin dieses Prinzip?
Es kommt immer darauf an, was ich bei den Schülern erreichen will. Wichtig ist, dass sie für das Leben lernen. Man muss den Schülern zeigen, was sie können, und darf ihnen nicht immer vorführen, wozu sie nicht fähig sind. Wenn ein Schüler jetzt in einigen Fächern nur schlechte Noten hat, in anderen Fächern jedoch sehr gute Leistungen erreicht und dennoch die Klassenstufe wiederholen muss, dann wiederholt er zwangsweise auch den Lehrstoff seiner starken Fächer. Das ist vergeudete Zeit. Ich bin dafür, dass man diese Zeit anderweitig auslastet, also zum Beispiel dass diese Stunden durch seine „Problemfächer“ ersetzt werden, also eine Art „Baukasten-Stundenplan“ individuell auf den Schüler abgestimmt.

Ein weiteres, häufig diskutiertes Thema, ist die Integration von Jugendlichen in Politik. Wie können wir unsere Demokratie gegen verfassungsfeindliche Gruppierungen schützen?
Wir müssen junge Leute dazu bringen, die Demokratie als einen wesentlichen und positiven Wert in ihrem persönlichen Leben zu verstehen. Ein weiterer wichtiger Punkt zur Demokratiestärkung ist, dass wir Begegnungen zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft schaffen, damit diese erkennen, dass man ähnlich tickt. Wir dürfen rassistischer Hetze keine Angriffspunkte liefern.

Wären nicht Landtagswahlen ab 16 auch eine Alternative?
Wenn wir auf Landesebene die Wahl ab 16 einführen, würde das bedeuten, das aktive und passive Wahlrecht, also das eigentliche Wählen und das Kandidieren, auseinander zu reißen. Man muss Jugendlichen eher die Chance geben, sich mehr direkt zu beteiligen. Wir sollten mehr Elemente einer direkten Demokratie, wie Volksentscheide, nutzen. Die Möglichkeiten sind auf der Landesebene schon gegeben. Die Angst, die Abstimmung könnte zu einem schlechten Ergebnis führen, ist unbegründet. Aber natürlich darf nicht über alle politischen Themen so entschieden werden.

Der Tourismus ist eine der größten wirtschaftlichen Stützen in unserem Bundesland. Wie können wir unsere Kapazitäten auf diesem Gebiet noch besser nutzen? Zuallererst muss gesagt werden, dass Mecklenburg-Vorpommern bereits die beliebteste innerdeutsche Sommerurlaubsregion ist. Bei 1,6 Millionen Einwohnern können wir jährlich fast 28 Millionen Übernachtungen verzeichnen. Es sind etwa 170 000 Menschen im Gastgewerbe tätig. Um jedoch die Attraktivität dieser Berufe weiter zu steigern, müssen wir den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro fordern, schließlich soll jeder von seiner Arbeit leben können.

Wie sieht denn das Tourismuskonzept von Mecklenburg-Vorpommern aus?
Wir versuchen hier einen „sanften“ Tourismus, also eher naturnahen Erholungsurlaub zu etablieren. Das heißt, dass auf unsere Stärken gesetzt werden muss: Naturschönheit, Kulturvielfalt, Möglichkeiten zur sportlichen Aktivität. Dabei kristallisieren sich bestimmte regionale Themenschwerpunkte heraus. Neubrandenburg, zum Beispiel, ist eher ein gefragtes Veranstaltungs- und Einkaufszentrum. Durch spezielle Angebote versuchen die regionalen Tourismusverbände die Nachfrage nach Übernachtungsplätzen zu steigern, so wie beispielsweise durch Öko-Campingplätze. Der größte Vorteil Mecklenburg-Vorpommerns ist seine einzigartige Vielfalt.

Ein Artikel aus dem Nordkurier, Neubrandenburger Zeitung Stargard, vom 26. März 2013, Seite 16. Copyright Nordkurier 2013

 

Schreiben Sie mir!

Persönliche Angaben
Anschrift
Ihre Nachricht
Einverständniserklärung