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Jugendweihe 2012

Liebe Mädchen und Jungen,

heute ist Eure Jugendweihe. Ich wünsche Euch, Euren Eltern sowie Euren Familien und Freunden alles Gute für diesen tollen Tag, den Ihr sicher lange in Erinnerung behalten werdet. Ich freue mich sehr, dass ich die große Ehre habe, heute die Festrede für Euch halten zu dürfen. Als Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern halte ich viele Reden und Grußworte zu ganz unterschiedlichen Anlässen. Auf einer Jugendweihefeier zu sprechen, ist für mich aber stets eine besondere Freude.

Sicher habt Ihr, liebe Mädchen und Jungen, diesem Tag schon lange und voller Erwartungen entgegen gefiebert. All das Herzklopfen und Kribbeln in Eurem Bauch ist spürbar und scheint geradezu anzustecken und ich glaube, jeder der heute Anwesenden fühlt mit Euch. Die Jugendweihe, das ist für viele von Euch irgendwie ein Familienfest, so wie Weihnachten oder auch Ostern, aber irgendwie ist es doch anders. Das Besondere und in gewisser Weise auch Einmalige an dieser Feier ist das Gefühl, die Zeit für einen kurzen Augenblick anhalten zu können. Mit der Jugendweihe wird in feierlicher Form symbolisch ein neuer Lebensabschnitt eingeleitet – ein Lebensabschnitt, der nicht heute und hier beginnt, sondern sich langsam entwickelt; eine Zeit, die größere Herausforderungen für Euch bereit hält, Spannendes, Unbekanntes, aber auch mehr Verantwortung.

Liebe Mädchen und Jungen,

während Deutschland noch und schon wieder den Superstar oder das nächste Topmodell sucht, wissen viele von Euch längst, dass jeder Mensch Stärken und Talente besitzt. Es braucht keine Fernsehshow, um Superstar zu werden. Gerade die Vielfalt, die bestehenden Unterschiede zwischen den Menschen machen das Leben so interessant, aber auch kompliziert. Diese Verschiedenheit erfordert als bedingungslose Voraussetzung für das harmonische Miteinander in unserer demokratischen Gesellschaft vor allem Toleranz dem Anderen gegenüber. Dabei lässt sich der Wert eines Menschen nicht auf das Ergebnis eines Telefon-Votings reduzieren. Versucht also stets, den Menschen hinter einem Gesicht zu erblicken, Euch nicht von Äußerlichkeiten blenden zu lassen. Nehmt Euch die Zeit, die Menschen in Eurem Umfeld richtig kennenzulernen, hinterfragt ihr Handeln und Verhalten. Beschränkt Euch dabei aber nicht nur auf das, was Ihr bei Facebook lest. Die Betrachtung von Texten und Bildern auf dem Computerbildschirm ist nämlich kein Ersatz für den persönlichen Umgang miteinander.

Liebe Mädchen und Jungen,

niemand wird und kann für sich in Anspruch nehmen, auf all Eure Fragen eine Antwort zu haben. Ihr werdet Euch in Zukunft mit vielen Dingen auseinandersetzen müssen. Natürlich könnt Ihr auf uns auch in Zukunft zählen, wenn Ihr Sorgen und Probleme habt. Viele offene Fragen wollt Ihr aber auch allein oder untereinander ohne uns Erwachsene beantworten. „Für Eltern Zutritt verboten!” mag dann an Euren Zimmertüren in großen Lettern prangen. Das ist für uns Eltern einerseits schmerzlich, andererseits verständlich, weil Ihr eben erwachsen werdet. Natürlich hoffen wir, dass Euch unser Rat und Zuspruch auch in Zukunft wichtig ist, wir Euch zum Nachdenkenanhalten und Euch Anstöße für Euer jetziges und zukünftiges Handeln mitgeben können. Für die Suche nach dem eigenen Lebensweg gibt es kein GPS, das einem die Richtung anzeigt. Erwachsen werden heißt also auch, den eigenen Weg selbst zu bestimmen. Lauft also nicht plan- und ziellos durch die Welt, sondern fragt Euch: Was will ich erreichen? Wie komme ich dahin? Wer kann mir dabei helfen? Vergesst dabei nicht die Menschen um Euch herum! Fragt Euch also auch stets:

Welche Auswirkungen hat mein Handeln auf andere? Ein sinnerfülltes Leben kann nur funktionieren, wenn man nicht nur nimmt, sondern auch bereit ist zu geben. So wie Ihr Eure Vorstellungen nur mit Unterstützung von Freunden und Partnern erreichen könnt, brauchen auch die anderen Eure Hilfe und Solidarität. Beherzigt dabei den Spruch, dass das Glück sich mindestens verdoppelt, wenn man es teilt.

Liebe junge Erwachsene,

nehmt Euch viel vor und geht mutig Euren Weg! Ich wünsche jedem Einzelnen von Euch, dass Ihr Eure Ziele erreichen könnt! Was um Euch herum, was im Land, was in der Welt geschieht, werdet Ihr mehr und mehr an Euren eigenen Vorstellungen messen, an Euren Hoffnungen und Träumen und an Eurem Wissen. Ihr werdet sehen, dass sich mancher Traum verwirklichen lässt, aber andere dafür leider wie Seifenblasen zerplatzen.
Wichtig ist es meines Erachtens aber, überhaupt eine eigene Vision für das Leben zu haben. Eure Träume sind deshalb wichtig und wir als Erwachsene müssen sie ernst nehmen. Euren Lebensinhalt müsst ihr ohnehin selbst definieren. Auch wenn wir als Eltern wünschten, Euch dieses manchmal
abnehmen zu können. Ihr werdet auch falsche Entscheidungen treffen und Euch korrigieren müssen, jedoch gleichzeitig feststellen, dass viele
Probleme im Nachgang gar nicht so wichtig erscheinen, wie man zunächst meint. Je eher man das begreift, umso besser kann man sein eigenes Leben gestalten.

Liebe Mädchen und Jungen,
ob Ihr wollt oder nicht, Ihr werdet ein Leben lang lernen! Ihr werdet jeden Tag neue Erfahrungen sammeln und Euch weiteres Wissen aneignen.
Der Weg hin zu einem mündigen Bürger führt aber nicht über einen „Kopieren-und-Einfügen”-Vorgang Verlasst Euch also nicht allein auf die Informationen, die Wikipedia oder Google liefern. Ich will Euch stattdessen ermutigen, jede Information, jede Wahrheit zu hinterfragen und selbst
zu beurteilen, ohne Euch von vorgefertigten Meinungen und Scheinargumenten manipulieren zu lassen. Trefft Entscheidungen aufgrund eigener
Ansichten und lauft nicht einfach den Meinungen anderer hinterher!

Haltet Euch bitte auch immer vor Augen, dass man sich mit Rücksichtslosigkeit und

Egoismus weder Anerkennung noch Achtung erwirbt und Gewalt als Mittel zur

Konfliktlösung mit der Würde des Menschen unvereinbar ist – das gilt für das

persönliche Leben genauso wie für die Politik. Erfolg, Macht und Einfluss erscheinen

oftmals als die erstrebenswerten Ziele der heutigen Zeit, ein Trend, das gebe ich

unumwunden zu, den ich persönlich sehr kritisch sehe, insbesondere, wenn dabei

Solidarität, Toleranz und Fairness auf der Strecke bleiben, was leider allzu oft

geschieht. Solidarisches Miteinander, Zusammenhalt, gegenseitige Rücksichtnahme

und Vertrauen finde ich persönlich ganz wichtig für das demokratische Wertegerüst

unserer Gesellschaft.

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Gäste,

wo ist die Zeit geblieben? War es nicht erst gestern, als diese festlich gekleideten

jungen Erwachsenen geboren wurden? Auch die durchwachten Nächte, als die

ersten Zähne kamen, die ersten wackeligen Schritte, das erste Wort, der Tag der

Einschulung – das alles ist doch noch gar nicht lange her! Viele kleine Episoden und

Begebenheiten aus dem Leben unserer Kinder drängen aus diesem Anlass wieder

in das Bewusstsein. Die Zeit rennt für uns Eltern oftmals viel zu schnell.

Aus ihren niedlichen und lieben Kleinen sind inzwischen selbstbewusste junge

Menschen geworden, die – mehr als uns lieb ist – widersprechen und die ihren

eigenen Kopf haben. Ich weiß, wir tun uns als Erwachsene so manches Mal schwer,

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Euch liebe Mädchen und Jungen, zu verstehen. Eurem Outfit, einigen Eurer

Wünsche und auch Verhaltensweisen stehen wir so manches Mal kopfschüttelnd

gegenüber. Ich weiß aus eigener Erfahrung, es fällt uns Eltern oft schwer, unseren

Kindern jenen Freiraum zu geben, den sie brauchen, um ihren eigenen Weg zu

finden. Auch Loslassen will gelernt sein. Auch für Eure Eltern und Großeltern werden

die kommenden Jahre nicht einfach. Also helft Ihnen, Eure Pubertät zu überstehen!

Bringen Sie, liebe Eltern, Ihren Kindern im beginnenden neuen Lebensabschnitt

genau so viel Liebe, Geduld und Vertrauen entgegen wie bisher.

Aber, liebe Mädchen und Jungen, fragt Euch am heutigen Tag bitte auch: Was wäret

Ihr ohne Eure liebe Familie? Sie hat Euch behütet, und sie ist für Euch da. Das,

davon bin ich zutiefst überzeugt, wird auch in Zukunft so sein. Schlagt nicht alle gut

gemeinten Ratschläge von vornherein in den Wind, auch wenn sie manchmal uncool

erscheinen.

Richtig cool würde ich es finden, wenn Ihr trotz der großen Feier heute nicht

vergesst, Mutti, Papa, Oma, Opa und alle, die Ihr lieb habt, in den Arm zu nehmen

und ihnen Danke zu sagen für das, was sie bisher für Euch getan haben.

Liebe Jungen und Mädchen,

ich wünsche Euch für heute zunächst einmal, dass Ihr ohne zu stolpern den

Bühnenauftritt übersteht, nach der Feierstunde unbeschwerte und fröhliche Stunden

im Kreise Eurer Familie, der Freunde und der Bekannten genießen könnt.

Für Eure Zukunft wünsche ich Euch von ganzem Herzen alles Gute, Erfolg und vor

allem Spaß am großen Abenteuer „Leben”!

E u r e

 

Sylvia Bretschneider

 

Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern

 

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