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Interview mit Sylvia Bretschneider

Frage: Warum braucht Erfolg Vielfalt?

Sylvia Bretschneider: Jeder Mensch hat besondere Veranlagungen und Fähigkeiten. So ist – wie zum Beispiel in Betrieben – erst durch das Miteinander verschiedener Talente, Erfahrungen und Blickwinkel Entwicklung möglich. Wenn in einem Unternehmen ausschließlich Menschen mit identischen Ausbildungen, Erfahrungen und Fähigkeiten arbeiteten, würde dies wohl kaum Erfolg garantieren. Schließlich gewinnen Fußballmannschaften ja auch nicht dadurch, dass sie mit elf Stürmen antreten. Es braucht einen Torwart, Stürmer, Verteidiger, Ausnahmetalente, selbstlose Feldspieler und ganz sicher auch einen Kapitän. Nicht anders ist es in Unternehmen. Erst durch Vielfalt sind verschiedenste Aufgaben lösbar. Das gilt für die Wirtschaft wie auch für alle anderen Bereiche unserer Gesellschaft. Jeder Mensch ist etwas Besonderes und hat seine Talente. Die gilt es einzubringen und zu nutzen. Im Miteinander – was manchmal auch Reibungen mit sich bringt – wird diskutiert und die mehrheitlich präferierte Lösung umgesetzt. Ohne vielfältige Ansichten wäre keine Entwicklung möglich, sowohl persönlich als auch gesellschaftlich.

Frage: Wie „vielfältig” sind der Landtag und die Landtagsverwaltung?

Sylvia Bretschneider: Ein Parlament ist von vornherein vielfältig. Schließlich vertreten die Abgeordneten die Wünsche und politischen Ziele verschiedener Teile der Gesellschaft.
Trotz unterschiedlicher parteipolitischer Ansichten und Meinungen arbeiten die Abgeordneten der vier demokratischen Fraktionen im Rahmen anerkannter Regeln gut zusammen. Dazu gehören selbstverständlich auch Diskussionen und inhaltliche Auseinandersetzung zu bestimmten Sachfragen. Das ist das Salz in der Suppe. In der Demokratie entscheidet am Ende dann allerdings eine Mehrheit – und diese gilt es immer wieder zu finden. In den Fachausschüssen und im Plenum können Argumente vorgebracht werden, die manchmal sogar bisherige Ansichten verändern. Das ist nur dank der vielfältigen Sicht- und Herangehensweisen möglich. Eine wichtige Aufgabe nehmen die Fachausschüsse wahr, die sich auf bestimmte Themen spezialisiert haben. Hinzu kommen für bestimmte Sachfragen Vertreter aus verschiedensten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, Landwirte wie Vertreter des Umweltschutzes, Unternehmer ebenso wie Sozialverbände. Weitere Gruppen ließen sich nennen. Vielfältige und meist auch gegensätzliche

Meinungen sind notwendig und erwünscht, um bestmögliche Entscheidungen treffen zu können. Um ihre Aufgabe als Dienstleister für die Abgeordneten wahrnehmen zu können, ist auch die Landtagsverwaltung vielfältig zusammengesetzt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten – jeweils an ihrem Platz – ihren Beitrag dazu, damit die gesetzgebende Gewalt unseres Landes, der Landtag, reibungslos arbeiten kann.

Frage: In welcher Weise profitiert die Wirtschaft von einer vielfältigen Gesellschaft?

Sylvia Bretschneider: Neben der Vielfalt innerhalb eines Unternehmens als Motor für dessen Produktivität profitiert die Wirtschaft auch von einer vielfältigen Gesellschaft nicht nur als Absatzmarkt. Dadurch sind Spezialisierungen möglich, die wiederum durch eine klar definierbare Zielgruppe neue Möglichkeiten für Unternehmen bieten. Ebenso wichtig für Unternehmen ist es aus meiner Sicht, auf erfahrene und jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen zu setzen. Auch hier verschafft Vielfalt Vorteile im Wettbewerb mit der Konkurrenz. Ein Berufsstarter hat noch nicht die erforderliche Lebens- und Arbeitserfahrung, selbst wenn er oder sie direkt nach Schule oder Studium neueste technische Fähigkeiten mitbringt. Hier birgt das Miteinander von Jung und Alt optimale Potentiale. Diese Vielfalt verschiedenster Erfahrungen wird von der Wirtschaft seit langem genutzt und daran sollte festgehalten werden. Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören nicht zum alten Eisen, sondern gehören mit ihren Erfahrungen zum wichtigsten Unternehmenskapital. Ebenso sollten Anregungen jüngerer Leute, die eventuell unkonventionell einfache Verbesserungen aufzeigen, ernst genommen werden. Letztlich können wir aber nur in einer freiheitlich-demokratische Gesellschaft Unternehmertum wie wir es heute kennen und für das die IHK steht, garantieren. Gefahren für die Demokratie -wie z. B. Rechtsextremismus – sind zugleich Gefahren für die Wirtschaft.

Frage: In welcher Weise können sich die Unternehmerinnen und Unternehmer noch aktiver mit einbringen?

Sylvia Bretschneider: Das von mir 2008 gemeinsam mit der Vereinigung der Unternehmensverbände, dem DGB, der evangelischen und katholischen Kirche ins Leben gerufene überparteiliche Bündnis „WIR. Erfolg braucht Vielfalt” (http://www.wir-erfolg-braucht-vielfalt.de) setzt sich für eine aktive Zivilgesellschaft sowie für ein Achten und Nutzen der nur in einer Demokratie gegebenen Grundwerte ein. Dies beinhaltet ein deutliches Positionieren gegen Rassismus und Extremismus. Im vergangenen Jahr wurde von der WIR-Initiative die „Demokratie-Aktie” ins Leben gerufen. Mit dem Erwerb solcher Aktien erhalten Unternehmen ein Zertifikat sowie eine Spendenbescheinigung. Die Einnahmen kommen demokratiefördernden Veranstaltungen in der Region der spendenden Unternehmen zugute. So werden z.B. Demokratie-Feste, Filmvorführungen mit Diskussionen, Workshops, die zu eigenem zivilgesellschaftlichem Engagement motivieren oder die Auseinandersetzung mit rechtsextremistischen Parolen anregen, unterstützt. Für Unternehmen ist die regionale Einbindung in solche Aktivitäten sehr wichtig. Es wäre wünschenswert, wenn sich noch mehr Unternehmen bei der Unterstützung lokaler Vereine und Initiativen engagieren. Dies muss nicht zwingend finanziell sein. Wichtig ist außerdem ein deutliches „Gesicht zeigen” gegen diskriminierende und extremistische Erscheinungen. Wenn ein Mitarbeiter durch sein Erscheinungsbild Zugehörigkeit zum rechtsextremen Spektrum demonstriert oder menschenverachtende Parolen verbreitet, darf man nicht wegsehen. Ziel der Rechtsextremen ist, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen und akzeptiert zu werden. Mit Stammtischparolen und dem Schüren von Ängsten lösen wir aber keine Probleme. Hier sind auch Unternehmerinnen und Unternehmer gefragt, durch klare Standpunkte solchen menschenverachtenden Haltungen entgegen zu treten. Die WIR-Geschäftsstelle steht als Ansprechpartner auch für die Wirtschaft z. B. bei der Vermittlung von Referenten für Vorträge, Workshops, bei Ausstellungen oder themenbezogenen Filmen gerne zur Verfügung.

 

 

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