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Der “Rote Backstein” 2012 geht an Maria Sommer!

Aus der Laudatio von der SPD-Landtagsabgeordneten Sylvia Bretschneider:”
“Die diesjährige Preisträgerin ist Maria Sommer. HERZLICHEN GLÜKCWUNSCH!
Unter Maria Sommers Leitung wurde nicht nur die Arbeit des Vereins für unser demokratisches Gemeinwesen in vier Stadtgebieten von Neubrandenburg und im Ortsteil Weitin aufgebaut. Auch die Gemeinde Neverin im damaligen Landkreis Mecklenburg-Strelitz haben von der Anleitung und Unterstützung durch die engagierten Frauen des Vereins “Fraueneinfälle” profitieren können.”

Sehr geehrte Damen und Herren,

Seit 10 Jahren verleiht die SPD Neubrandenburg den  „Roten Backstein”. 35 Bürgerinnen und Bürger konnten seit 2003 für ihr Engagement im demokratischen Miteinander der Einwohner dieser Stadt geehrt werden. 18 Männer, 17 Frauen. Die Geschlechterquote bei der SPD beträgt 40%,
sie sehen, in Neubrandenburg sind wir schon ein Stück weiter. Und zwar nicht, weil das bei der Entscheidung, wer den Backstein bekommen soll,
eine Rolle gespielt hat, sondern weil es bei uns eben viele Frauen und Männer gibt, die eine solche Ehrung verdient haben.
Der „Rote Backstein” wird für zivilgesellschaftliches, demokratisches Engagement vergeben und ist eine Auszeichnung für Menschen, die prägend für das Zusammenleben in unserer Region sind oder gewesen sind.
Jetzt sind Sie natürlich gespannt, wer die Auszeichnung erhält. Ich möchte diese Spannung aber noch etwas aufrechterhalten.

Der Ursprung der Ehrung der heutigen Preisträgerin (es handelt sich also um eine Frau) geht auf das Jahr 1995 zurück. Wenn man es ganz
genau nimmt – sogar auf das Jahr 1938, denn in dem Jahr wurde unsere Preisträgerin auf einem Bauernhof in Drönnewitz bei Demmin
geboren. Und auf einem Bauernhof gehörte es auch für die Kinder dazu, ordentlich mit anzupacken. Für die Schüler heute wahrscheinlich
unvorstellbar: Vor der Schule mussten die Kühe gemolken werden, nach der Schule ging es aufs Feld. Obwohl sie diese Aufgaben ohne Murren
und mit Fleiß erledigte, stand für unsere Preisträgerin schon frühzeitig fest: Bäuerin wollte sie nicht werden. Obwohl die Familie darüber natürlich nicht sonderlich begeistert war und jeder Blick in die Bücher mit dem Spruch:
“Lesen ist dem lieben Gott die Zeit stehlen” bedacht wurde, waren ihre Eltern  dennoch stolz, als ihre Tochter schließlich das Abitur in der Tasche
hatte und zum Studium nach Rostock ging. Was glauben Sie wohl mit welcher Absicht? Die Bauerstochter studierte Landwirtschaft. Das war aber
nicht die einzige Herausforderung. Noch während ihrer Unizeit kamen ihre ersten von insgesamt vier Kindern zur Welt. Diesen Spagat zwischen
Karriere und Familie hat sie nicht nur ausgehalten, sondern mit Bravour gemeistert. Als sie dann in Pasewalk und später in Neubrandenburg eine Leitungsstelle im Kraftfuttermischwerk übernahm, besuchten ihre Kinder wie die der meisten berufstätigen Mütter in der DDR Kindergarten und Krippe. Ohne die Möglichkeit der  Kinderbetreuung wären für sie die Erfüllung und der Erfolg im Beruf in Vereinbarkeit mit der Familie nicht möglich
gewesen. Ihre Arbeit war ihr ebenso wichtig wie ihre Familie. Nachwuchs und berufliche Selbstverwirklichung waren auch für sie nie ein „Entweder – Oder”, sondern sich gegenseitig ergänzende wichtige Bestandteile ihres Lebens.

In der Zeit der Umbruchsphase nach der politischen Wende gestaltete sich die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie zunehmend schwieriger. Immer mehr Frauen wurde aus dem Erwerbsleben herausgedrängt. Obwohl die eigenen Kinder längst erwachsen waren, wollte unsere
Preisträgerin sich mit dieser Entwicklung nicht abfinden. Für sie war klar, dass die Frauen selbst etwas dafür tun müssen, damit sie ein
selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führen können und nicht an den Herd zurückgedrängt werden. Kurzentschlossen  gründete sie deshalb
mit anderen engagierten Frauen einen Verein. Und das war im Jahr 1995.
Von 1999 bis 2008 war sie dann selbst Vorsitzende dieses Vereins, nämlich des Vereins “Fraueneinfälle”.
Und spätestens jetzt wissen alle, wer den „Roten Backstein” 2012 erhält – es ist Maria Sommer.
Unter Maria Sommers Leitung wurde nicht nur die Arbeit des Vereins für unser demokratisches Gemeinwesen in vier Stadtgebieten von
Neubrandenburg und im Ortsteil Weitin aufgebaut. Auch die Gemeinde Neverin im damaligen Landkreis Mecklenburg-Strelitz haben von der
Anleitung und Unterstützung durch die engagierten Frauen des Vereins “Fraueneinfälle” profitieren können.

Im Ergebnis des Engagements Maria Sommers und ihrer Mitstreiterinnen des Vereins „Fraueneinfälle” sind Begegnungsstätten des Vereins
entstanden. Diese Einrichtungen hatten sich in Zeiten extrem hoher Arbeitslosigkeit zu aktiven Zentren für arbeitslose Frauen und deren
Familien entwickelt. Für mehr als 200 langzeitarbeitslose Frauen wurden in arbeitsmarktpolitischen Projekten des Vereins nicht nur
Beschäftigung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben organisiert, sondern für tausende betroffene Frauen Orte der Begegnung, des
Austauschs und letztlich auch der Hoffnung geschaffen.
Unter der damaligen Leitung  von Maria Sommer entwickelte sich die Begegnungsstätte Wiekhaus Nr. 11 zu einem multikulturellen Zentrum der
Stadt Neubrandenburg. Es ist damit seit vielen Jahren Anziehungspunkt für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und auch für Touristen.

Die Arbeit in den Begegnungsstätten beschränkte sich aber nicht auf den Einsatz und Projekte für arbeitslose Frauen. Es wurden ebenso
Senioren oder hilfebedürftige Bürgerinnen und Bürger betreut, wie zum Beispiel im „ Kiek In” in Monckeshof, im vereinsübergreifenden Projekt
CA-FE-BE auf dem Lindenberg oder im Bürgertreff Datzeberg.
Aus dieser Betreuung entwickelte der Vorstand unter aktiver Mitarbeit von Maria Sommer mit viel Initiative das Projekt „Stadtteilorientierte Familienbegleitung”, in dem 10 Sozialarbeiterinnen tätig waren. Lassen Sie mich schlaglichtartig noch auf einige weitere Beispiele eingehen,
die belegen, dass das Engagement Maria Sommers Spuren hinterlassen hat und bis heute fortwirkt.
Ich erinnere da an die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen: Dafür hat der Vorstand des Vereins mit Frau Sommer an der Spitze eigens das
Projekt „Aufbau einer Frauenuniversität” entwickelt und mehr als 100 Frauen haben dort eine erfolgreiche Weiterbildung mit Zertifikat
absolviert.
Im Projekt “Zwergenservice” werden Kinder im Alter bis zu 10 Jahren außerhalb der Öffnungszeiten von Kitas stundenweise in häuslicher Umgebung betreut, zu Veranstaltungen und Therapien gebracht.
Im ” Trans-Fair-Service” werden hilfebedürftige Personen bei Arztbesuchen, Behördengängen, Terminen des täglichen Bedarfs oder einfach nur
bei sonst unmöglichen Spaziergängen begleitet oder in Konfliktlagen betreut. Zu nennen wären da auch die Organisation und Durchführung des Ringmauerfestes in Zusammenarbeit mit dem Vier-Tore-Fest der Stadt über viele Jahre und vieles
mehr.
2008 hat Maria Sommer den Vereinsvorsitz abgegeben. Es war nicht einfach, eine Nachfolgerin zu finden. Dem Verein drohte das Aus. Aber
Maria Sommer hat nicht aufgegeben und erst als alles ordentlich übergeben war, hat sie sich mehr in das Privatleben zurückgezogen. Nun könnten
einige sagen: Alles Aktivitäten eines Vereins, also von vielen. Das ist sicher richtig. Natürlich kann niemand so etwas allein bewerkstelligen, ‘
man braucht Partner und Weggefährten. Wenn wir uns heute bei Maria Sommer bedanken, danntun wir das auch stellvertretend für alle
Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Aber jeder von uns weiß auch, dass Veränderung Motoren braucht, Menschen, die andere begeistern und mitreißen können, die sich selbst nicht schonen und hohe Maßstäbe an sich selbst stellen. Menschen, die sich für andere aufopfern, die beharrlich und
verantwortungsbewusst das Leben gestalten.
Maria Sommer gehört zu diesen Menschen, die sich für unser demokratisches Gemeinwesen, für unsere Region und für „ihre” Stadt
Neubrandenburg einsetzen. Die Jury hätte keine würdigere Preisträgerin für die Verleihung des „Roten Backsteins” finden können.
Herzlichen Glückwunsch – Maria Sommer.

 

 

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