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Integrative Kindertagesstätte “Blümchen am Wall” feiert 40. Geburtstag!

Am 14. September 2007 war es soweit, die Kindereinrichtungkita_rede.jpg “Blümchen am Wall” feierte ihren 40. Geburtstag.
Dazu gratulierte Sylvia Bretschneider dem gesamten Erzieherteam, allen Kindern und Eltern recht herzlich und übergab ein Geschenk.
Die Wünsche verband die Abgeordnete mit dem Dank an das gesamte Kollektiv und mit der Zuversicht, dass  alle wie bisher weiter engagiert den nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Bildung und Erziehung unser Jüngsten leisten werden. Mit dem Erziehungskonzept verwirklichen die Erzieherinnen die Integration und entwickeln bei den ihn anvertrauten Kindern wertvolle Eigenschaften wie Toleranz und Achtung.

Für die Zukunft wünsche ich  allen Erzieherinnen weiterhin pädagogisches Geschick bei der Umsetzung des anspruchsvollen Konzeptes und im persönlichen Leben alles Gute, Gesundheit und Glück.{multithumb}

 

Die Insel Rügen hat nicht nur touristisch, sondern auch sozial etwas zu bieten

Wie das CJD arbeitet, erfuhr die Besuchergruppe am Vormittag in Garz. Sylvia Bretschneider zeigte sich interessiert an den Belegungszahlen. „Die Fusion von BfA und LfA haben wir auch von Landesseite begleitet.” Ziel sei es gewesen, dass kein Nachteil für MV entsteht. Vor allem bei der Plätzezuteilung. „Die Plätzezuteilung geht zugunsten von Schleswig-Holstein aus.” Das müsse noch beraten werden. Nichtsdestotrotz sei sie von der Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und CJD beeindruckt. Ebenso vom Anbau. „Nächste Woche soll ja Richtfest sein”, gibt Sylvia Bretschneider Erkenntnisse aus der Rügenschen Stadt wider.

Wir haben hier etwas ganz Einzigartiges, das in Zusammenhang mit dem bundesweiten Aktionsprogramm von Mehrgenerationenhäusern aufgebaut wird”, wiederholte Projektkoordinator Jörg Piecha eine Präsentation, die anschließen in Sassnitz im Mehrgenerationenhaus präsentierten.
Es gibt Selbsthilfegruppen, Mieterberatung, Lesungen, Kino und andere Veranstaltungen. Regelmäßig, sporadische gar nicht mitgezählt.  Das Haus sei auch Träger des Obdachlosenheims in Sassnitz.

„Das ist relativ einmalig und wird andernorts von großen Einrichtungen wie der Diakonie getragen”, weiß Piecha. Bedarf sei da, erfuhr Sylvia Bretschneider, die auf Einladung von der Landtagsabgeordneten Angelika Peters zu Gast war. „Acht bis zehn Leute nutzen das Angebot”, ging Projektkoordinator Piecha auf eine entsprechende Nachfrage ein.  „Wir brauchen noch eine oder zwei Stellen, die bezahlt werden”, legte Jörg Piecha Wünsche dar. Da könne sie ihm schwerlich helfen, meinte die Landtagspräsidentin. „Das ist eine Sache der Kommune”, sieht sie Programme der Stadt Sassnitz in der Pflicht.

Abhilfe könnte bei dem Problem schon heute geschaffen werden. Da soll im Grundtvighaus ein Vertrag mit dem Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) ausgehandelt werden. Piecha: „Das CJD ist beweglicher auf dem Arbeitsmarkt.” Vielleicht ergeben sich dadurch Synergien für das Projekt in Sassnitz. Dessen Koordinator kann sich eine Zusammenarbeit auch in Verwaltungsfragen vorstellen – etwa in der Lohnbuchaltung oder bei der Abrechnung.

Lobende Worte fand sie abschließend auch über das Mehrgenerationenhaus. Das Projekt sei „eine wichtige Sache. Das Thema wird uns noch weiter beschäftigen”, prognostiziert Sylvia Bretschneider. „Die Gesellschaft wird älter. Wie müssen wir da rangehen, dass es zwischen den Generationen funktioniert”, habe sie in Sassnitz interessiert. Erfahrungen gebe es nicht, legte die Politikerin dar. „Deshalb müssen wir es ausprobieren.”

 

Jugendweihe 2007 in Neubrandenburg

F e s t r e d e
z u r

Jugendweihe

am 28. April 2007

  „Das Leben ist wie eine Treppe,nur manchmal fehlt das Gelände.” Sprichwort)

 
Liebe Mädchen und Jungen,

sehr geehrte Eltern und Gäste,

im Leben eines jeden Menschen gibt es Tage, an die man sich beim besten Willen schon nach kurzer Zeit nicht mehr erinnern kann – oder will, weil entweder nichts Bemerkenswertes passiert ist, oder weil man sich an die Ereignisse nicht mehr erinnern möchte.

Ich bin sicher, dass dieser Tag nicht dazu zählen wird – ganz im Gegenteil!

Am 28. 4. geschah nämlich bereits in der Geschichte Großes:

Am 28. 4. 1770 entdeckte Captain James Cook Australien.

Am 28. 4. 1779 erfolgte die legendäre Meuterei auf der Bounty und am 28. 4. 1908 wurde der durch Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste” berühmt gewordene Oskar Schindler geboren.

Heute – fast 100 Jahre danach – ist nun Euer großer Tag, den Ihr sicherlich noch lange in Erinnerung behalten werdet: der Tag Eurer Jugendweihe. Zu diesem festlichen Ereignis, meine lieben jungen Damen und Herren begrüße und beglückwünsche ich Euch auf das Herzlichste.

In einem irischen Sprichwort heißt es:

Junge Leute wissen nicht, was Alter ist,

und alte vergessen, was Jugend war.”

Ich wünsche mir sehr, dass der zweite Teil des Sprichwortes noch nicht auf mich zutrifft, weil ich noch nicht vergessen habe, wie Jugendliche sind, was sie denken und fühlen.
Genauso hoffe ich aber auch, dass Ihr am heutigen Tag oder in der nächsten Zeit darüber nachdenkt, welche Worte wir Euch  mit auf den Weg geben. Ich selbst habe drei inzwischen erwachsen gewordene Töchter und weiß auch aus eigener Erinnerung, dass es Jugendlichen oft nicht gerade leicht fällt, auf das zu hören, was die Eltern einem sagen. Eines weiß ich allerdings aus eigener Erfahrung: Eltern lieben ihre Kinder und wollen nur das Beste für sie, deshalb sind Ratschläge stets gut gemeint, um ihnen Kummer und Ärger zu ersparen.
Die Familie war bisher das Netz, das Euch behütet und beschützt hat. Dieses Netz bleibt auch im neuen Lebensabschnitt erhalten, es hat jedoch eine andere Funktion.

Die Bewältigung Eurer Lebenssituationen und die zukünftige Lebensgestaltung und Lebensplanung hängen nun zunehmend von Euch selbst, von Eurer Persönlichkeit und Eurer Sinnorientierung ab. Ihr werdet mehr und mehr Euer Leben eigenverantwortlich meistern müssen. Das wird für Euch, aber auch für Eure Eltern nicht leicht werden.

In den Konflikten zwischen den Generationen liegt aber auch ein großes Potential, sofern sie mit Liebe und Respekt, Verständnis und Neugierde, Toleranz und Güte ausgetragen werden. Beide Seiten müssen ihre Gestaltungs- und Lebensräume neu bestimmen. Ich weiß, wovon ich spreche und ich weiß, wie schwer es ist, als Mutter – oder Vater – das Kind loszulassen und im Kind einen Partner zu sehen, dessen Vorstellungen über seine Lebensplanung möglicherweise anders aussehen und mit unseren Vorstellungen nicht übereinstimmen.
Das Leben ist von der Geburt bis zum Tod wie ein Ozean: selten friedlich und glatt, oft stürmisch, unberechenbar und mit hohen Wellen. Und man muss gut aufpassen, dass sie nicht über einem zusammenschlagen und man untergeht. Vor diesem Zusammenschlagen haben Euch, liebe Mädchen und Jungen, bisher Eure Eltern, Großeltern und Freunde bewahrt. Nun ist es an der Zeit, dass Ihr selbst mehr Verantwortung übernehmt.

Sehr geehrte Eltern, Großeltern, liebe Angehörige, sehr geehrte Gäste,

gestatten Sie mir, dass ich an dieser Stelle auch einige Worte an Sie richte:
Ihr Kind setzt heute die Tradition der Jugendweihe fort, um in die Reihen der Erwachsenen aufgenommen zu werden. Eine Tradition, der auch die Folgen der politischen Ereignisse von 1989 nichts anhaben konnten. Viele von Ihnen werden sich noch an Ihre eigene Jugendweihe erinnern können. Natürlich hatten auch wir als Jugendliche oft Stress mit unseren Eltern. Handy und Piercing waren damals noch nicht „in” und deshalb nörgelten die Erwachsenen an unseren angeblich zu kurzen Röcken oder zu langen Haaren herum.
Damals wie heute galt und gilt der Spruch:

„Es gibt kein problematisches Kind.

Es gibt nur problematische Eltern.”

Heute fällt es Ihnen, sehr geehrte Angehörige, wie damals unseren Eltern, schwer zu glauben, dass diese festlich gekleideten jungen Damen und Herren in den ersten Reihen jene Kinder sein sollen, denen Sie noch vor kurzem die Nase geputzt, die Schuhe zugebunden und vor dem Einschlafen Gute-Nacht-Geschichten erzählt haben.

Es ist jetzt an der Zeit, dass Sie lernen loszulassen, damit Ihre Kinder ihren eigenen Weg finden können.
Trotzdem ist es wichtig, dass Sie, sehr geehrte Eltern und Großeltern, Ihren Kindern und Enkeln auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Entscheidungen werden Ihre Kinder und Enkel aber zunehmend allein treffen. Davor müssen Sie keine Angst haben. Denn Ihr erzieherischer Einfluss, Ihre Liebe und Fürsorge, die Sie Ihrem Kind bis zum heutigen Tag angedeihen ließen, werden dafür sorgen, dass Ihre Kinder gute Entscheidungen treffen werden.

Ein altes Sprichwort sagt zwar:

„Was Du Deinen Eltern schuldig bist,

weißt Du erst, wenn Du selber einmal Kinder hast.”

Aber vielleicht, liebe Mädchen und Jungen, findet Ihr heute abseits des Trubels Gelegenheit, Eure Eltern einmal in den Arm zu nehmen und ihnen zu danken – für den heutigen Tag und für alles, was sie bisher für Euch getan haben.

Liebe Mädchen und Jungen,

auch zukünftig wird es in Eurem Leben Höhen und Tiefen geben. Schule und Ausbildung oder Studium werden Euch in den nächsten Jahren vor neue Herausforderungen stellen. Vieles wird Euch gelingen, nicht alles wird glücken.

Ihr werdet wunderbare, aber auch schmerzhafte Erlebnisse haben: Freunde werden sich in Luft auflösen, Liebe wird dafür sorgen, dass sich der Magen mal vor Glück, mal vor Kummer zusammenzieht.

Ihr werdet nicht selten hin- und hergerissen sein zwischen „himmelhoch jauchzend” und „zu Tode betrübt”.
Ihr werdet Tränen vergießen – vor Trauer, vor Wut oder aus Freude. Das gilt übrigens auch für die Männer unter Euch, denn nur wer stark ist, traut sich auch einmal zu weinen.
Ihr werdet Erfolge haben, ob im Beruf oder im privaten Bereich. Genießt diese! Lasst Euch nicht von Misserfolgen entmutigen. Es gehört zum Leben dazu, auch mal Fehler machen zu dürfen. Denn oft sind es gerade die Fehler und Misserfolge, die Euch helfen, Euren eigenen Weg zu finden.

Glaubt mir: Die Erwachsenen reden zwar nicht gern darüber, aber auch sie machen Fehler. Auch sie haben nicht immer auf den Rat ihrer Eltern, Verwandten und Freunde gehört. Manchmal haben sie damit Recht gehabt, manchmal war es aber auch falsch. Fehler einzugestehen und offen zuzugeben, dass andere Recht haben, erfordert viel Mut.
Es gibt kein Patentrezept für ein erfolgreiches Leben, denn an den Scheidewegen des Lebens stehen keine Hinweisschilder. Wichtig ist, dass Ihr Euch etwas zutraut, dass Ihr nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes geht, denn der ist oft nur am Anfang asphaltiert.
Als Landtagspräsidentin möchte ich Euch aber auch auf Eure Verantwortung für unser Zusammenleben hinweisen:
Ihr alle werdet in den nächsten Jahren erstmals die Möglichkeit erhalten, Eure Stimme bei einer Wahl abzugeben oder gar selbst zu kandidieren. Das ist ein Recht, das man als Erwachsener hat. Zu diesem Recht hinzu kommt aber auch die Verantwortung, wie man mit diesem Recht umgeht.
Man kann mit diesem Wahlrecht zur Veränderung unserer Gesellschaft beitragen und mitentscheiden, ob wir in Frieden, Freiheit und Demokratie miteinander leben, in gegenseitiger Achtung und Toleranz. Wenn Ihr also als Erwachsene dann das Recht zur Wahl habt, schaut Euch genau an, was diejenigen wollen, die sich zur Wahl stellen.

Sorgt dafür, dass diese Welt eine friedliche ist. Bringt Euch aktiv ein in die Gestaltung der Demokratie. Das ist anstrengend, aber notwendig, um dieses wertvolle Gut zu erhalten.
Hört nicht auf die, die auf Kosten der Schwächeren in unserer Gesellschaft scheinbar einfache Lösungen versprechen, in Wirklichkeit aber mit menschenverachtenden Parolen Hass und Gewalt schüren. Mir ist klar, dass man dazu viel Mut braucht, denn es ist immer einfacher, still zu sein und wegzusehen. Reicht denen Eure Hand, die Hilfe brauchen, denen, die in Not sind.
Eine Gesellschaft, in der jeder nur an sich denkt, in der nur die Ellenbogen regieren und die Stärkeren den Schwächeren nicht helfen, können und dürfen wir nicht zulassen. Solidarität, Mitmenschlichkeit und Toleranz sind heute wichtiger denn je.
Vor Euch liegt eine bunte Welt mit allerlei Angeboten und Verlockungen. Wählt mit Bedacht und Verstand, denn oftmals ist das wirklich Gute und Richtige nicht sofort zu erkennen.
Und geht nicht mit dieser Welt um, als gäbe es davon noch reichlich im Supermarkt! Wir haben nur diese eine Welt, deshalb erhaltet unsere Heimat, unsere Umwelt für uns, für Euch und für Eure Kinder!
Traut Euch etwas zu, lasst Euch von Niemandem einreden, Ihr wäret weniger wert und könntet weniger als andere. Jeder Mensch ist einzigartig. Euch gibt es nur ein einziges Mal auf unserer Erde. Ihr seid wer – und das ist auch gut so! Probiert Euer Leben aus und Ihr werdet sehen, wie schön es ist! Nur so werdet Ihr es schaffen, ein glückliches und sinnerfülltes Leben zu führen.

„Es ist egal, woher du kommst oder wer du warst, wichtig ist allein, wohin du willst und wer du sein willst,”  sagte einst die Philosophin Alexandra Maria Huber.

Liebe Mädchen und Jungen,

ich wünsche Euch, Euren Eltern, Verwandten und Freunden unvergesslich schöne Stunden am heutigen Tage, und ich wünsche Euch ganz persönlich, dass Ihr ohne zu stolpern über die Schwelle des Erwachsenwerdens treten könnt, dass Euch auf Eurem Weg möglichst wenig große Steine das Weiterkommen versperren und falls das doch einmal passiert, wünsche ich Euch viel Kraft, diese wegzuräumen.
Mögen Glück und Gesundheit Euch auf Eurem weiteren Lebensweg begleiten! Die Welt der Erwachsenen wartet auf Euch! Wir brauchen Eure Ideen und Euren Mut ebenso wie Euren Widerstand!

 

 

 

 

Die Rolle des Ehrenamtes in unserer Gesellschaft

Kulturveranstaltungen, Basisarbeit
in Parteien und Gewerkschaften, Betreuung Kranker, Begleitung
Sterbender – viele, viele Organisationen und Dienstleistungen für
unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger gäbe es nicht.
Daher müssen Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement als
Voraussetzung für gelebte Demokratie gefördert und gestärkt werden,
denn es gibt dafür keine Alternativen.
So altmodisch für manche Ohren der Begriff „Ehrenamt" auch klingen mag,
so modern, notwendig und zukunftsfähig ist das, was dahinter steckt:
die Bereitschaft des Einzelnen zur Verantwortung und Solidarität, zum
Engagement für die Gemeinschaft. Wer ehrenamtliches Engagement als
antiquiert betrachtet und für nicht mehr zeitgemäß hält, verkennt somit
die Grundlagen einer freien, demokratischen Gesellschaft. Sie gründet
sich unter anderem auf diese Form des Mitwirkens seiner Bürgerinnen und
Bürger.
Schaut man sich in unserer Gesellschaft mit offenen Augen um, so kann
man feststellen, dass es eine Individualisierung der Lebensweisen und
eine Pluralisierung der Lebensstile gibt, die Veränderungen im Hinblick
auf die Partizipationsbereitschaft mit sich bringen. Daraus resultiert
aber auch eine steigende Bereitschaft, sich spontan für eine gewisse
Zeit zum Beispiel in Initiativgruppen oder Vereinen und Verbänden oder
privat in aller Stille zu engagieren. Dieses Engagement ist ein
zentrales Merkmal für eine lebendige Demokratie.
Freiwillige Arbeit baut aber auch Brücken innerhalb einer Gesellschaft
und zwischen Gesellschaften, zwischen Reicheren und Ärmeren, zwischen
Älteren und Jüngeren. Und die Bereitschaft, anderen zu helfen, macht
auch heute an Grenzen nicht halt.

Sie verstärkt die Bindekräfte, ohne die unsere Gesellschaft nicht leben
kann, und diese Bindekräfte, dieser Mörtel, ist unverzichtbar, er gibt
uns die Luft zum Atmen. Jede Gesellschaft lebt davon, dass es
Bürgerinnen und Bürger gibt, die Verantwortung übernehmen, dass
Menschen nicht darauf warten, dass der Staat handelt oder dass andere
handeln, sondern dass sie selbst etwas tun.

Gelegentlich ist die Auffassung zu hören, die ehrenamtlich und
freiwillig Engagierten seien die Lückenbüßer eines sich zurückziehenden
Staates. Gleichermaßen gibt es die Sorge, Bürgerarbeit könne oder solle
Erwerbsarbeit ersetzen, ja dazu führen, dass bezahlte Arbeitsplätze
verschwinden. Beides halte ich für falsch. Der Staat kann und soll doch
gar nicht alle Aufgaben selbst übernehmen und zu seinen eigenen machen.

Erstens, weil er die Mittel nicht hat, und zweitens, weil es Leistungen
und Hilfeleistungen gibt, die man weder verlangen noch einfordern, die
man sich nur schenken lassen kann.
Bürgerschaftliches Engagement kann somit auf Ressourcen zurückgreifen,
die weder dem Staat noch dem Markt zur Verfügung stehen: flexible
Zeiteinteilung, lokale Netzwerke, vertrauensvolle Beziehungen und nicht
zuletzt der Idealismus der Engagierten.

Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität sind unbezahlbare
Werte. Sie können weder durch Gesetz noch durch Verordnung erzwungen
werden, sie müssen praktisch gelebt werden und sie werden von vielen
gelebt, die anderen das Wertvollste schenken, über das sie verfügen:
ihre Zeit.

Das zeigt, für unsere Gemeinschaft, für unsere Gesellschaft, für unser
Gemeinwesen ist der ehrenamtliche Einsatz unverzichtbar. Der Staat kann
dieses Engagement gar nicht ersetzen, weil er es selber nicht erbringen
könnte. Der Staat soll sich aus seiner Verantwortung für gleiche
Lebenschancen und soziale Gerechtigkeit nicht zurückziehen. Dies war
aber noch nie eine Aufgabe, die alleine durch den Staat bewältigt
werden konnte. Der Staat organisiert das soziale Netz, das die großen
Risiken des Lebens absichert. Errungenschaften, die in Deutschland
aufgebaut wurden und die es auch in Zukunft zu bewahren und zur
Erhaltung umzugestalten gilt. Der Staat kann aber nicht verfügen, dass
unsere Gesellschaft mitmenschlich und solidarisch ist. Gemeinwohl muss
daher erarbeitet werden, zunehmend auch unabhängig von staatlichen
Strukturen. Hierzu bedarf es tatkräftiger Menschen. Menschen, die
Defizite erkennen und sich in die Pflicht nehmen lassen. Menschen, die
Verantwortung übernehmen und dazu beitragen, dass Veränderungen
Wirklichkeit werden.

Die zunehmende Ökonomisierung und Globalisierung setzen dem
Solidaritätsgedanken in unserer Gesellschaft zu. Das Arbeitsleben ist
unsteter und flexibler geworden. Das Zusammenleben in unserer Welt wird
immer komplexer. Umso intensiver muss daran gearbeitet werden, das
heimatliche Umfeld stabil zu halten. Denn das Vertraute, eben das, was
unsere Heimat ist, bewahrt vor Anonymität und Vereinsamung.

An diesem Punkt setzt das Ehrenamt an. Zur Gestaltung des heimischen
Umfeldes bedarf es aktiver Menschen, die sich dieser Aufgabe in nahezu
allen Bereichen der Gesellschaft annehmen. Vor Ort wird spürbar, wie es
um ein Gemeinwesen bestellt ist. Daher ist es nach meiner Meinung
gerade auch wichtig, bei jungen Menschen so früh wie möglich eine
positive Haltung zum Helfen und zum sozialen Engagement zu fördern,
denn was das Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmermehr. Wer sich
als Jugendlicher engagiert, kann im späteren – sowohl privaten als auch
beruflichen – Leben auf ein nützliches Erfahrungspotential
zurückgreifen. Der Lerneffekt, der erzieherische Wert ist groß, denn
der Jugendliche lernt auf praktische Weise ein soziales Umfeld kennen,
das ihm Verantwortung überträgt, ihn seine Zukunft mitgestalten lässt.
Eine Herausforderung, die junge Menschen brauchen und der sie sich
meiner Meinung nach auch stellen – wenn sie ihnen denn geboten wird!
Eine Gesellschaft ist nur so gut wie die, die in ihr wirken. Erich
Kästner formulierte dies, wie ich meine, sehr treffend mit dem allseits
bekannten Satz: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Daher
verdanken wir den ehrenamtlich Tätigen, dass Solidarität als positives
Erlebnis auch heute noch erfahrbar ist. Dabei ist ehrenamtliches
Engagement generationsübergreifend und generationsverbindend. Es
verbindet Gleichgesinnte und hilft auch scheinbar Ausgegrenzten, es
überwindet Grenzen und öffnet neue Horizonte.
Denn alle Programme und Vorhaben, alle Projekte und Pläne wären
vergeblich, ließen sich nicht Menschen wie Sie finden, die bereit wären
mitzuhelfen, eine humane, solidarische und lebenswerte Gesellschaft zu
bauen. Menschen, die ein großes Projekt verwirklichen oder die ganz
einfach dort anpacken, wo sie gerade stehen, mit den Mitteln, über die
sie verfügen, und die denjenigen helfen, denen sie begegnen. Menschen
die nicht sagen, „man kann doch nicht allen helfen", und deshalb keinem
helfen. Menschen die spüren, dass wir nicht nur für das verantwortlich
sind, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.
All diese Menschen sind Vorbilder. Ihnen schulden wir Dank und Anerkennung.

 

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