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“Wir können sehr zufrieden sein mit dem Erreichten”

Frau Präsidentin, wie bewerten Sie ganz allgemein die Arbeit der vergangenen vier Jahre?

Der Auftrag der Präambel der Landesverfassung, in der es heißt: „(…) ein lebendiges, eigenständiges und
gleichberechtigtes Glied der Bundesrepublik zu sein", wurde im besten Wortsinn mit Leben erfüllt. Unser
Land ist mittlerweile ein unverwechselbarer und im Bewusstsein der Menschen etablierter Teil der Bundesrepublik
Deutschland – mit allem, was dieses Land an Attraktivität auszeichnet. Auch diese Wahlperiode war von
einer intensiven parlamentarischen und insbesondere auch gesetzgeberischen Arbeit geprägt. Was die Gesetzgebung angeht, sind wir nach den ersten Wahlperioden nunmehr in der Wirklichkeit der alten Bundesländer angekommen.

Woran machen Sie das fest?

Dies drückt sich vor allem in folgenden Zahlen aus: Wir haben nach der Landtagswahl im Herbst 2002 insgesamt 82 Plenarsitzungen erlebt, 1.009 Ausschusssitzungen und 143 Sitzungen des Ältestenrates. Dazu gab es fast 2.400 Drucksachen und 98 Gesetze, wovon wir besonders wichtige gerade in den letzten Wochen und Monaten vor Ende der Legislatur verabschiedet haben. Dies gilt beispielsweise für die Verfassungsänderung Ende Juni und die Verwaltungsmodernisierung im April.

Welche Besonderheiten zeichnen aus Ihrer Sicht die vierte Wahlperiode aus?

Neben den ständigen Gremien sind in dieser Wahlperiode zwei Sondergremien eingesetzt worden, in denen außergewöhnlich viel Arbeit geleistet wurde: der Sonderausschuss „Verwaltungsmodernisierung und  Funktionalreform" sowie der Untersuchungsausschuss „Zur Klärung von Sachverhalten im der Landtag im Sommer 2005 das Abgeordnetengesetz geändert und die Altersversorgung der Abgeordneten angepasst. Unser
Vorgehen in dieser Frage fand bundesweit Beachtung. Die getroffenen Regelungen gelten als angemessen und sorgen vor allem für Transparenz. Mit dieser Wahlperiode geht auch die Ära der vierjährigen Wahlperioden
zu Ende. Der künftige Landtag wird entsprechend der in der letzten Sitzungswoche geänderten Verfassung für fünf Jahre zusammentreten. Regionen haben die Parlamentsarbeit in Partnerregionen kennen gelernt – zwei Jugendliche
aus Mecklenburg-Vorpommern taten dies in Westpommern und Kaliningrad.

Beobachter sehen den Landtag deutlich stärker international engagiert. Stimmt dieser Eindruck?

Wir haben unsere überregionalen und internationalen Aktivitäten entsprechend dem Auftrag unserer Verfassung, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, insbesondere im Ostseeraum, zu fördern, vertieft. Dort, wo wir mitarbeiten, haben wir den Sachverstand unseres Landes und seiner Experten aus Wissenschaft und Praxis eingebracht. Wir haben alle Möglichkeiten genutzt, um fachlich untersetzt Einfluss in der Ostseeregion und auf europäischer Ebene zu nehmen. Dies taten wir oftmals über unsere rein institutionellen Möglichkeiten hinaus. Und ich denke, dass es uns gelungen ist, das Ansehen und das Gewicht unseres Parlaments im Konzert unserer Partner weiter zu steigern. Dies gilt für unsere Mitarbeit in der Ostseeparlamentarierkonferenz, im Parlamentsforum Südliche Ostsee und auch bei HELCOM. Dieser Landtag war zudem, so meine ich, immer auch ein guter Gastgeber für eine Reihe von internationalen Delegationen, die die Bundesrepublik Deutschland besucht haben. Gleiches gilt für diejenigen, die an von uns federführend verantworteten Veranstaltungen teilgenommen haben.

Das Ansehen des Landtages im Ausland ist demnach hoch – wie steht es Ihrer Ansicht nach um das Ansehen in Mecklenburg-Vorpommern?

Auch in der ablaufenden Wahlperiode haben alle Abgeordneten intensiv – jeder mit seiner Überzeugung und nach bestem Wissen und Gewissen – um die aus unserer Sicht notwendigen Maßnahmen und Vorgehensweisen
gerungen. Wir Abgeordneten haben keinen Grund, uns zu verstecken. Im Gegenteil: Wir können sehr zufrieden sein mit dem Erreichten. Dennoch besteht – und dies wird sich nie ganz ausschließen lassen – immer wieder die Gefahr, dass wir uns im Eifer des Gefechtes zu Emotionen hinreißen lassen, die der Würde und dem Ansehen des Hauses
in der Wahrnehmung der Bevölkerung nicht förderlich sind. An dieser Stelle wird sich der kommende Landtag immer wieder darum bemühen müssen, so zu arbeiten, dass das Ansehen dieses Parlaments in der Öffentlichkeit
weiter gefördert wird.

Mehrere langjährige Abgeordnete werden dem Landtag Mecklenburg-Vorpommern künftig auf eigenen Wunsch nicht mehr angehören – sie verzichten auf eine erneute Kandidatur. Kann ein Parlament auf so viele erfahrene Abgeordnete verzichten?

Am Ende dieser Wahlperiode scheiden in der Tat sogar mehrere Abgeordnete aus dem Landtag aus, die von Anfang an dabei waren und damit zu den „Urgesteinen" dieses Parlaments gehören. Sie stellen sich nicht erneut zur Wahl. Mit ihnen verliert das Parlament erfahrene Landespolitiker. Andererseits lebt auch die Politik vom Wechsel. Neue Abgeordnete werden die Chance erhalten, sich zu beweisen. Danken möchte ich allen Mitgliedern des Landtages der vierten Wahlperiode für ihr Engagement und die in den vergangenen Jahren geleistete Sacharbeit.

Ihr größter Wunsch im Zusammenhang mit der Landtagswahl am 17. September 2006?

Ich wünsche uns allen einen fairen Wahlkampf und eine hohe Wahlbeteiligung. Und ich wünsche dem nächsten Landtag, dass er die Entwicklung und das Wohl des Landes weiter fördert für die Menschen in unserem so schönen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Uns allen wünsche ich, dass auch in den kommenden Landtag nur Abgeordnete einziehen, die auf dem Boden unserer Landesverfassung stehen und deren Werte aktiv verteidigen. Rechtsextremisten im Landtag – das würde Mecklenburg-Vorpommern immensen Schaden zufügen und auch
die politische Kultur im Land negativ verändern. Deshalb rufe ich die Menschen im Land dazu auf, zur Wahl zu gehen und ein Zeichen zu setzen – ein Zeichen für Demokratie, für Mitmenschlichkeit, für Toleranz und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt!

Zum Abschluss eine Frage zum Sitz des Landtages, der in den vergangenen Jahren ja immer auch Baustelle war. Wie steht es um die Sanierung des Schweriner Schlosses?

Die Sanierung des historisch und touristisch so wertvollen Gebäudes ist in den vergangenen Jahren gut vorangekommen. In der nächsten Zeit wird auch der vom Parlament genutzte Teil weiter aus- und umgebaut. Die
Fassade soll zur BUGA 2009 komplett hergerichtet sein.

aus: LandtagsNachrichten Mecklenburg-Vorpommern, 6/2006 
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“Politik ist für mich eine Sache, die Menschen verbinden soll”


Frau Präsidentin, welche Bedeutung messen Sie persönlich der Tatsache bei, dass das Parlament in Mecklenburg-Vorpommern erstmals eine Frau in das protokollarisch höchste Amt gewählt hat?

In einer modernen Gesellschaft sollte es zur Normalität gehören, dass Frauen und Männer gleichermaßen in allen Bereichen Führungspositionen einnehmen, also auch in der Politik. Die Entscheidung meiner Fraktion, mich für dieses Amt zu nominieren, werte ich deshalb als Signal für mehr Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern im Land, aber auch als Bestätigung meiner politischen Arbeit.
In Skandinavien, wo Frauen schon seit langem ganz selbstverständlich hohe politische Ämter ausfüllen, würde Ihre Frage auf Unverständnis stoßen. Aber auch in Deutschland gibt es positive Beispiele. Ich denke an die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth oder an die frühere Landtagspräsidentin und jetzige Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave in Schleswig-Holstein und an die Parlamentspräsidentinnen Dr. Dorothee Stapelfeldt in Hamburg und Christine Lieberknecht in Thüringen.

Welche Schwerpunkte sehen Sie für diese Legislaturperiode? Sie nannten in der Öffentlichkeit schon zwei Schlagworte – sich für noch mehr Transparenz und gegen Politikverdrossenheit einsetzen …

Ich möchte, dass mehr Menschen an den politischen Entscheidungsprozessen unserer Zeit aktiv teilnehmen. Das setzt voraus, dass die Verantwortlichkeiten für politische Entscheidungen wieder transparenter werden. Die Bürgerinnen und Bürger müssen besser erkennen können, wer für bestimmte politische Entscheidungen steht, ob Entscheidungen in der Europäischen Union, im Bund, im Land oder der Kommune getroffen werden. Viele Menschen verstehen oftmals nicht, warum und worüber wir hier im Parlament manchmal streiten und warum es oft so lange dauert, bis Entscheidungen getroffen werden. Es muss uns besser gelingen klarzumachen, dass Abläufe in der parlamentarischen Demokratie Zeit benötigen, um die verschiedenen gesellschaftlichen Interessen mit einzubeziehen, damit wir nicht Regelungen schaffen, die an den Menschen und ihren Bedürfnissen vorbei gehen.
Unterschiedliche Überzeugungen und politische Auffassungen wird es im Parlament immer geben. Trotzdem ist Politik für mich eine Sache, die Menschen verbinden soll. Deshalb will ich mich unabhängig von den konkreten Sachthemen dafür einsetzen, dass wir im Parlament eine konstruktive und faire Streitkultur entwickeln.
Wenn wir Menschen für Politik gewinnen wollen, müssen wir das mit Inhalten und unserer Überzeugungskraft schaffen. Unter erwachsenen Menschen muss es einfach möglich sein, dass unterschiedliche politische Standpunkte ohne persönliche Angriffe oder gar Diffamierungen zur Diskussion gestellt werden können. Ich möchte vor allen Dingen junge Leute verstärkt für Politik interessieren. Sie sollen mehr über unsere Arbeit erfahren, Entscheidungsprozesse nachvollziehen können und motiviert werden, ihre Mitwirkungsrechte aktiv zu nutzen. Außerhalb der Plenartagungen soll es mehr Gesprächsrunden mit Abgeordneten geben, in Schwerin wie auch andernorts. Ich werde dazu in den nächsten Wochen zusammen mit meinem Mitarbeiterstab konkrete Projekte ausarbeiten.

Ihr Amtsvorgänger hat eine sehr intensive Zusammenarbeit mit dem Nachbarparlament in Schleswig-Holstein gepflegt. Wird dieser Kontakt auch künftig eine Rolle spielen?

Selbstverständlich werde ich engen Kontakt mit allen unseren direkten Nachbarn suchen. Während der Antrittsbesuche bei unseren Nachbarparlamenten in Schleswig-Holstein und Hamburg möchte ich ausloten, welche gemeinsamen Aktivitäten wir entwickeln können. Auch mit Brandenburg und Niedersachsen gibt es traditionelle Verbindungen, die weiterentwickelt werden sollten. Von großer Bedeutung wird selbstverständlich die kontinuierliche Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Sejmik der Wojewodschaft Westpommern sein.

Was heißt das inhaltlich?

Polen ist unser direkter Nachbar und wird im Zusammenhang mit der anstehenden EU-Erweiterung weiter an Bedeutung gewinnen. Hier möchte ich weniger die damit zweifelsohne verbundenen Probleme herausstreichen, sondern in erster Linie die Chancen betrachten. Wenn wir uns offen über alle anstehenden Fragen austauschen, werden wir auch unsere gemeinsamen Interessen auf allen Ebenen von der Wirtschaft über die Kultur bis zur Politik erkennen. Im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung sind wir gut beraten, uns hier nicht abzugrenzen, sondern zu öffnen. Generell möchte ich die Öffnung unseres Parlaments hin zu mehr Internationalität fortsetzen, im Kontext der EU-Osterweiterung naturgemäß mit einem Schwerpunkt in Richtung östliche Nachbarn unter besonderer Berücksichtigung des gesamten Ostseeraumes.

Das klingt nach großer Politik …
… betrifft aber immer die konkreten Interessen der Menschen vor Ort. Es geht um Kontakte zwischen Vereinen, Verbänden, Institutionen, um das gegenseitige Kennenlernen, um Bildung, Wissenschaft und Kultur, um Überwindung von Sprachgrenzen und nicht zuletzt auch um Kooperationen im Bereich von Handel, Wirtschaft und Verkehr.

Zum Bereich der Kultur gehört auch die Religion und Polen ist ein sehr christliches Land. Ihre beiden Amtsvorgänger haben ihren christlichen Glauben mit in das Amt eingebracht, Sie dagegen bezeichnen sich als konfessionslos …

Auch wenn ich nicht kirchlich gebunden bin, gibt es für mich sehr viele Übereinstimmungen zwischen meinen persönlichen Wertevorstellungen und denen der Kirchen. Humanismus, Toleranz und Nächstenliebe, Engagement für sozial Benachteiligte und die Schwachen in der Gesellschaft müssen vorgelebt werden und Bestandteil der Wertevermittlung sein – das gilt in wie außerhalb der Kirche, denn wir leben nicht in einer geteilten Welt. Es liegt mir sehr viel an einem intensiven Dialog zwischen den Kirchen und der Politik und ich befürworte ausdrücklich, dass in der Plenarwoche weiterhin ein ökumenischer Gottesdienst in der Schlosskirche stattfindet. Gerade hier bietet sich Gelegenheit, nach Verbindendem zu suchen. Und die jungen Sternsinger, die jeweils zur Jahreswende für notleidende Kinder in der so genannten Dritten Welt sammeln gehen, werden auch weiterhin im Schweriner Schloss empfangen.

Was werden Sie noch fortführen?

Bisher wurde einmal im Jahr gemeinsam mit dem Landtag in Brandenburg ein mehrtägiges Bildungsprojekt im ehemaligen KZ Ravensbrück durchgeführt, an dem jeweils Schulklassen aus unseren beiden Bundesländern teilnehmen. Dies fortzusetzen und hier weiter aufklärend zu wirken, halte ich für sehr wichtig. Im übrigen soll das Schweriner Schloss als Sitz des Parlamentes weiter offen für alle Interessierten sein. Ich denke beispielsweise an eine Fortführung der Schlossgespräche, an die Parlamentarische Abende, an das Projekt „Jugend im Landtag" und an das Altenparlament.

Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat einmal gesagt, dass Mecklenburg-Vorpommern auf den wohl schönsten Sitz eines bundesdeutschen Parlamentes verweisen kann. Nun hat so ein altes Gemäuer ja auch seine Tücken …

So schön das Schweriner Schloss ist, so vielschichtig sind auch die Probleme. Davon konnte ich mich bei meinen ersten Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz persönlich überzeugen. Die Arbeitsbedingungen für die Abgeordneten und Mitarbeiter müssen wir in den kommenden vier Jahren weiter verbessern. Einschränkungen und Umzüge in den anstehenden Bauphasen werden sich nicht vermeiden lassen. Wir müssen das aber so organisieren, dass ein Höchstmaß an Arbeitsfähigkeit und ein Mindestmaß an Belastungen gewährleistet werden kann.

Als Präsidentin des Landtages sind Sie für über 100 Mitarbeiter der Parlamentsverwaltung verantwortlich. Was haben Sie diesbezüglich für Vorstellungen?

Ich halte sehr viel von Teamarbeit und bin jeder Zeit aufgeschlossen für Ideen und Vorschläge. In jedem Fall will ich Ansprechpartnerin für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein. Das habe ich bereits am ersten Tag im Amt auch in einem Gespräch mit dem Personalrat deutlich gemacht. Wir haben regelmäßige Treffen vereinbart. Gemeinsam mit der Personalratsvorsitzenden habe ich inzwischen alle Kolleginnen und Kollegen an ihren Arbeitsplätzen aufgesucht und mich mit ihnen bekannt gemacht. Überall habe ich engagierte Menschen getroffen. Es gibt ein hohes Maß an Kompetenz und Kreativität – beides möchte ich nutzen und befördern.

Was, wünschen Sie, soll man am Ende Ihrer Amtszeit von Ihnen sagen?

Meine Amtszeit hat gerade begonnen. Deshalb denke ich derzeit natürlich nicht an das Ende, sondern an die vielen interessanten Aufgaben, die vor mir liegen. Ich möchte, dass meine Zeit als Präsidentin mit Inhalten und Ergebnissen verbunden wird. Ich will nicht nur repräsentieren, sondern vor allem gestalten.

0aus: LandtagsNachrichten Mecklenburg-Vorpommern, 7/2002

 

Termine der Landtagskandidatin Bretschneider

In den Kalenderwochen 35 und 36 absolviert die SPD-Landtagskandidatin Sylvia Bretschneider zahlreiche Termine in Neubrandenburg. So nimmt sie bspw. am 05.09. an einer Podiumsdiskussion des Nordkurier teil und besucht am 08.09. gemeinsam mit Justizminister Erwin Sellering das AWO-Projekt "Betreutes Wohnen". Weitere Informationen können Sie der Terminliste entnehmen.

 

Wahlkampfaktivitäten 29. August – 03. September 2006

Wann?
Was?
Inhalt/Bemerkungen Wo? 
29.08.
10-12 Uhr
Bürgersprechstunde  

Informationen zur Landtagswahl und zum Thema Rechtsextremismus Treptower Straße, Höhe C&A
30.08.
10-12 Uhr
Bürgersprechstunde   Informationen zur Landtagswahl und zum Thema Rechtsextremismus Sattelplatz,
Nähe ALDI

 

31.08.
11-17 Uhr
Besuch mit Professor Klinkmann an der Hochschule Neubrandenburg Thema: BioCon
Valley

Hochschule Neubrandenburg,
Brodaer Straße

02.09.
10-12 Uhr
Bürgersprechstunde Informationen zur Landtagswahl und zum Thema Rechtsextremismus Turmstraße, Höhe Kaufhof  

 

Festrede zur Jugendweihe am 13. Mai 2006

Etwa vor 14 Jahren versammelten sich viele der hier Anwesenden zu einem
Familienfest, an das Ihr Euch mit Sicherheit nicht erinnern könnt, denn
Ihr wart gerade geboren. Eure Mütter und Väter werden vielleicht
bereits zu diesem Zeitpunkt darüber nachgedacht haben, was aus Euch
wohl einmal werden wird. Und heute verabschieden wir Euch aus der
Kinderzeit, denn Ihr werdet in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.

So schnell geht das, meinen die Einen. Lang war der Weg, denken die Anderen.

Was Sie, liebe Eltern, von Ihrem Kind damals erwartet haben, weiß ich
nicht. Was Ihr, liebe Mädchen und Jungen, bei meiner Rede erwarten
könntet, habe ich versucht bei meinen eigenen Kindern zu erfahren. Sie
haben gesagt: Mutti, die Rede muss kurz sein, vor allen Dingen cool und
trotzdem feierlich.

Na toll, habe ich gedacht, wie soll das funktionieren? Da habe ich ja
die Quadratur des Kreises zu bewältigen. Schließlich soll die Rede auch
allen anderen Gästen gefallen.

Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes,
wenn einmal unsere heutige Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere
Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.

Bevor sich jetzt alle empören: Dieser Spruch ist rund 2400 Jahre alt. Er stammt von dem berühmten Philosophen Aristoteles.

Es liegt wohl ein wenig in der Natur der Sache, dass Jung und Alt
manchmal miteinander Schwierigkeiten haben. Das war im antiken
Griechenland nicht anders als heute bei uns. Und ich glaube, dass es
auch in 2000 Jahren noch so sein wird. Aber vielleicht ist das Wort
Schwierigkeiten in diesem Zusammenhang auch nicht ganz passend.

In den Konflikten zwischen den Generationen liegt auch ein großes
Potential, sofern sie mit Liebe und Respekt, Verständnis und Neugierde,
Toleranz und Güte ausgetragen werden.

Liebe Mädchen und Jungen,

das Leben ist von Geburt an eine große steile Treppe, die man stetig
mit Kraft erklimmen muss. Anfangs gab es die helfenden Hände Eurer
Mütter und Väter, die Euch die Stufen hinauf zogen. Später kamen
Erzieher/innen und Lehrer/innen dazu. Während der Schulzeit ist mancher
von Euch schon gestolpert, wurde aber von anderen aufgefangen und
unterstützt. Das Lernen, so wage ich zu behaupten, macht mehr Spaß als
Ihr selbst bereit seid, zuzugeben.

Natürlich wachsen die Anforderungen an Euch und gute Noten sind nicht
zum Nulltarif zu haben. Wichtig ist, dass Ihr bei Eurem Weg auf der
Treppe niemals stehen bleibt, denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Es
wird für Euch auch in Zukunft immer wieder Höhen und Tiefen geben.
Schule, Ausbildung oder Studium werden Euch in den nächsten Jahren vor
große Herausforderungen stellen. Vieles wird Euch gelingen, nicht alles
wird glücken. Ihr werdet wunderbare, aber auch schmerzhafte Erlebnisse
haben. Freunde werden sich in Luft auflösen. Liebe wird dafür sorgen,
dass sich der Magen mal vor Glück und mal vor Kummer zusammen zieht.
Eure Treppe wird mehr Stufen umfassen als die Eurer Eltern. Das heißt,
Ihr werdet größere Herausforderungen zu meistern haben als Sie. Das
gelingt nur, wenn man bereit ist, aus den Fehlern vorhergehender
Generationen zu lernen. Ihr müsst jetzt zunehmend über den Weg Eures
Lebens selbst entscheiden. An den Scheidewegen und Kreuzungen wird es
dafür keine Hinweisschilder geben. Es gibt auch keine Patentrezepte für
ein erfolgreiches Leben. Wichtig ist, dass Ihr selbstbewusst seid und
Euch etwas zutraut. Geht nicht immer den Weg des geringsten
Widerstandes. Lasst Euch von niemandem einreden, Ihr wäret weniger
wert, könntet weniger als andere.

Als Landtagspräsidentin möchte ich Euch aber auch auf Eure
Verantwortung für unser Zusammenleben hinweisen. Ihr alle werdet in den
nächsten Jahren erstmals die Möglichkeit erhalten, Eure Stimme bei
einer Wahl abzugeben oder gar selbst zu kandidieren. Das ist ein Recht,
das man als Erwachsener hat. Zu diesem Recht hinzu kommt aber auch die
Verantwortung, wie man mit diesem Recht umgeht. Man kann mit diesem
Wahlrecht zur Veränderung unserer Gesellschaft beitragen und
mitentscheiden, ob wir in Frieden, Freiheit und Demokratie miteinander
leben, in gegenseitiger Achtung und Toleranz. Wenn Ihr also als
Erwachsene dann das Recht zur Wahl habt, schaut Euch genau an, was
diejenigen wollen, die sich zur Wahl stellen.

Sorgt dafür, dass diese Welt eine friedliche ist. Bringt Euch aktiv ein
in die Gestaltung der Demokratie. Das ist anstrengend, aber notwendig,
um dieses wertvolle Gut zu erhalten. Hört nicht auf die, die auf Kosten
der Schwächeren in unserer Gesellschaft scheinbar einfache Lösungen
versprechen, in Wirklichkeit aber mit menschenverachtenden Parolen Hass
und Gewalt schüren.

Mir ist klar, dass man dazu viel Mut braucht, denn es ist immer
einfacher, still zu sein und wegzusehen. Reicht denen Eure Hand, die
Hilfe brauchen, denen, die in Not sind.

Eine Gesellschaft, in der jeder nur an sich denkt, in der die
Ellenbogen regieren und die Stärkeren den Schwächeren nicht helfen,
können und dürfen wir nicht zulassen. Solidarität, Mitmenschlichkeit
und Toleranz sind heute wichtiger denn je.

Vor Euch liegt eine bunte Welt mit allerlei Angeboten und Verlockungen.
Wählt mit Bedacht und Verstand, denn oftmals ist das wirklich Gute und
Richtige nicht sofort zu erkennen. Und geht nicht mit dieser Welt um,
als hätten wir noch eine zweite im Schrank! Erhaltet unsere Heimat,
unsere Umwelt für uns, für Euch und für Eure Kinder!

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Angehörige und sehr geehrte Gäste,

gestatten Sie mir, dass ich einige Worte an Sie richte. Ihr Kind setzt
heute die Tradition der Jugendweihe fort, um in die Reihen der
Erwachsenen aufgenommen zu werden. Eine Tradition, der auch die Folgen
der politischen Ereignisse von 1989 nichts anhaben konnte. Viele von
Ihnen werden sich noch an Ihre eigene Jugendweihe erinnern können.
Natürlich verraten wir nicht, dass auch wir als Jugendliche oft Stress
mit unseren Eltern hatten. Handy und Piercing waren damals noch nicht
in und deshalb nörgelten die Erwachsenen an unseren angeblich zu kurzen
Röcken oder zu langen Haaren herum.

Damals wie heute galt und gilt der Spruch: Es gibt kein problematisches Kind. Es gibt nur problematische Eltern.

Heute fällt es Ihnen, sehr geehrte Angehörige, wie damals unseren
Eltern schwer, zu glauben, dass diese festlich gekleideten jungen Damen
und Herren in den ersten Reihen, jene Kinder sein sollen, denen Sie
noch vor kurzem die Tränen getrocknet, die Schuhe zugebunden und vor
dem Einschlafen Gute-Nacht-Geschichten erzählt haben. Es ist jetzt an
der Zeit, dass Sie lernen loszulassen, damit Ihre Kinder ihren eigenen
Weg finden können.

Trotzdem ist es wichtig, dass Sie, sehr geehrte Eltern und Großeltern,
Ihren Kindern und Enkeln auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite
stehen. Die Entscheidungen werden Ihre Kinder aber zunehmend allein
treffen. Davor müssen Sie keine Angst haben. Denn Ihr erzieherischer
Einfluss, Ihre Liebe und Fürsorge, die Sie Ihrem Kind bis zum heutigen
Tag angedeihen ließen, werden dafür sorgen, dass Ihre Kinder gute
Entscheidungen treffen werden. Ein altes Sprichwort sagt zwar:

Was Du Deinen Eltern schuldig bist, weißt Du erst, wenn Du selber
einmal Kinder hast., aber vielleicht, liebe Mädchen und Jungen, findet
Ihr heute abseits des Trubels Gelegenheit, Eure Eltern einmal in den
Arm zu nehmen und ihnen zu danken für den heutigen Tag und für alles,
was sie bisher für Euch getan haben.

Liebe Mädchen und Jungen,

was wird für Euch in Zukunft wichtig sein? Ich denke, dass wichtigste
was Ihr braucht, sind gute Freunde. Freunde, mit denen man über alles
reden kann. Freunde, die auch zu Euch halten, wenn Ihr Sorgen und
Probleme habt, die Euch helfen durch Beistand, aber auch Kritik.
Freundschaft ist keine Einbahnstraße und lebt davon, dass man nimmt und
gibt. Achtet darauf und vergesst nie, wo Eure Wurzeln liegen, denn die
besten Freunde bleiben Eure Mütter und Väter.

Vielleicht denkt Ihr jetzt: Schon wieder so eine, die alles besser
wissen will. Aber Liebe Mädchen und Jungen, sehr geehrte Gäste, was
wäre eine Jugendweihe-Rede ohne gute Ratschläge?

Wenn Ihr später nach der Schule in die Lehre oder zum Studium geht,
werdet Ihr wieder Leute kennen lernen, die alles besser wissen:

Berufsschullehrer oder Dozenten. Mein Rat: Seid nachsichtig mit ihnen!

Etwas später werdet Ihr dann jemandem begegnen, der immer alles besser
weiß: Eurem Ehepartner. Mein Rat: Seid nachsichtig mit ihm oder ihr!

Und wenn alles seinen üblichen Gang geht, werdet Ihr dann nach einiger
Zeit eine ganz besondere Spezies kennen lernen, die sowieso immer schon
alles besser wusste: Eure Kinder. Mein Rat: Seid nachsichtig mit ihnen!

Und wenn dann Eure Kinder einmal größer werden, dann wird es eines
Tages wieder solch ein Fest wie dieses hier geben. Und dann steht hier
jemand an meiner Stelle und hält eine Rede. Und wenn dann unten in der
ersten Reihe ein Mädchen oder ein Junge fragt: Wer ist denn die da
oben, die so tut, als wüsste Sie alles besser?, dann sagt vielleicht
Euer Sohn oder Eure Tochter: Die da oben ist meine Mutter, seid
nachsichtig mit ihr.

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Euren Gästen für heute und die
Zukunft alles Gute, einen wunderschönen und erlebnisreichen Tag. Die
Welt der Erwachsenen wartet auf Euch! Wir brauchen Eure Ideen, Eure
Kreativität und Euren Mut genauso wie Euren Widerstand.

Sylvia Bretschneider
Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern

 

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