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Festrede zur Jugendweihe am 13. Mai 2006

Etwa vor 14 Jahren versammelten sich viele der hier Anwesenden zu einem
Familienfest, an das Ihr Euch mit Sicherheit nicht erinnern könnt, denn
Ihr wart gerade geboren. Eure Mütter und Väter werden vielleicht
bereits zu diesem Zeitpunkt darüber nachgedacht haben, was aus Euch
wohl einmal werden wird. Und heute verabschieden wir Euch aus der
Kinderzeit, denn Ihr werdet in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.

So schnell geht das, meinen die Einen. Lang war der Weg, denken die Anderen.

Was Sie, liebe Eltern, von Ihrem Kind damals erwartet haben, weiß ich
nicht. Was Ihr, liebe Mädchen und Jungen, bei meiner Rede erwarten
könntet, habe ich versucht bei meinen eigenen Kindern zu erfahren. Sie
haben gesagt: Mutti, die Rede muss kurz sein, vor allen Dingen cool und
trotzdem feierlich.

Na toll, habe ich gedacht, wie soll das funktionieren? Da habe ich ja
die Quadratur des Kreises zu bewältigen. Schließlich soll die Rede auch
allen anderen Gästen gefallen.

Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes,
wenn einmal unsere heutige Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere
Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.

Bevor sich jetzt alle empören: Dieser Spruch ist rund 2400 Jahre alt. Er stammt von dem berühmten Philosophen Aristoteles.

Es liegt wohl ein wenig in der Natur der Sache, dass Jung und Alt
manchmal miteinander Schwierigkeiten haben. Das war im antiken
Griechenland nicht anders als heute bei uns. Und ich glaube, dass es
auch in 2000 Jahren noch so sein wird. Aber vielleicht ist das Wort
Schwierigkeiten in diesem Zusammenhang auch nicht ganz passend.

In den Konflikten zwischen den Generationen liegt auch ein großes
Potential, sofern sie mit Liebe und Respekt, Verständnis und Neugierde,
Toleranz und Güte ausgetragen werden.

Liebe Mädchen und Jungen,

das Leben ist von Geburt an eine große steile Treppe, die man stetig
mit Kraft erklimmen muss. Anfangs gab es die helfenden Hände Eurer
Mütter und Väter, die Euch die Stufen hinauf zogen. Später kamen
Erzieher/innen und Lehrer/innen dazu. Während der Schulzeit ist mancher
von Euch schon gestolpert, wurde aber von anderen aufgefangen und
unterstützt. Das Lernen, so wage ich zu behaupten, macht mehr Spaß als
Ihr selbst bereit seid, zuzugeben.

Natürlich wachsen die Anforderungen an Euch und gute Noten sind nicht
zum Nulltarif zu haben. Wichtig ist, dass Ihr bei Eurem Weg auf der
Treppe niemals stehen bleibt, denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Es
wird für Euch auch in Zukunft immer wieder Höhen und Tiefen geben.
Schule, Ausbildung oder Studium werden Euch in den nächsten Jahren vor
große Herausforderungen stellen. Vieles wird Euch gelingen, nicht alles
wird glücken. Ihr werdet wunderbare, aber auch schmerzhafte Erlebnisse
haben. Freunde werden sich in Luft auflösen. Liebe wird dafür sorgen,
dass sich der Magen mal vor Glück und mal vor Kummer zusammen zieht.
Eure Treppe wird mehr Stufen umfassen als die Eurer Eltern. Das heißt,
Ihr werdet größere Herausforderungen zu meistern haben als Sie. Das
gelingt nur, wenn man bereit ist, aus den Fehlern vorhergehender
Generationen zu lernen. Ihr müsst jetzt zunehmend über den Weg Eures
Lebens selbst entscheiden. An den Scheidewegen und Kreuzungen wird es
dafür keine Hinweisschilder geben. Es gibt auch keine Patentrezepte für
ein erfolgreiches Leben. Wichtig ist, dass Ihr selbstbewusst seid und
Euch etwas zutraut. Geht nicht immer den Weg des geringsten
Widerstandes. Lasst Euch von niemandem einreden, Ihr wäret weniger
wert, könntet weniger als andere.

Als Landtagspräsidentin möchte ich Euch aber auch auf Eure
Verantwortung für unser Zusammenleben hinweisen. Ihr alle werdet in den
nächsten Jahren erstmals die Möglichkeit erhalten, Eure Stimme bei
einer Wahl abzugeben oder gar selbst zu kandidieren. Das ist ein Recht,
das man als Erwachsener hat. Zu diesem Recht hinzu kommt aber auch die
Verantwortung, wie man mit diesem Recht umgeht. Man kann mit diesem
Wahlrecht zur Veränderung unserer Gesellschaft beitragen und
mitentscheiden, ob wir in Frieden, Freiheit und Demokratie miteinander
leben, in gegenseitiger Achtung und Toleranz. Wenn Ihr also als
Erwachsene dann das Recht zur Wahl habt, schaut Euch genau an, was
diejenigen wollen, die sich zur Wahl stellen.

Sorgt dafür, dass diese Welt eine friedliche ist. Bringt Euch aktiv ein
in die Gestaltung der Demokratie. Das ist anstrengend, aber notwendig,
um dieses wertvolle Gut zu erhalten. Hört nicht auf die, die auf Kosten
der Schwächeren in unserer Gesellschaft scheinbar einfache Lösungen
versprechen, in Wirklichkeit aber mit menschenverachtenden Parolen Hass
und Gewalt schüren.

Mir ist klar, dass man dazu viel Mut braucht, denn es ist immer
einfacher, still zu sein und wegzusehen. Reicht denen Eure Hand, die
Hilfe brauchen, denen, die in Not sind.

Eine Gesellschaft, in der jeder nur an sich denkt, in der die
Ellenbogen regieren und die Stärkeren den Schwächeren nicht helfen,
können und dürfen wir nicht zulassen. Solidarität, Mitmenschlichkeit
und Toleranz sind heute wichtiger denn je.

Vor Euch liegt eine bunte Welt mit allerlei Angeboten und Verlockungen.
Wählt mit Bedacht und Verstand, denn oftmals ist das wirklich Gute und
Richtige nicht sofort zu erkennen. Und geht nicht mit dieser Welt um,
als hätten wir noch eine zweite im Schrank! Erhaltet unsere Heimat,
unsere Umwelt für uns, für Euch und für Eure Kinder!

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Angehörige und sehr geehrte Gäste,

gestatten Sie mir, dass ich einige Worte an Sie richte. Ihr Kind setzt
heute die Tradition der Jugendweihe fort, um in die Reihen der
Erwachsenen aufgenommen zu werden. Eine Tradition, der auch die Folgen
der politischen Ereignisse von 1989 nichts anhaben konnte. Viele von
Ihnen werden sich noch an Ihre eigene Jugendweihe erinnern können.
Natürlich verraten wir nicht, dass auch wir als Jugendliche oft Stress
mit unseren Eltern hatten. Handy und Piercing waren damals noch nicht
in und deshalb nörgelten die Erwachsenen an unseren angeblich zu kurzen
Röcken oder zu langen Haaren herum.

Damals wie heute galt und gilt der Spruch: Es gibt kein problematisches Kind. Es gibt nur problematische Eltern.

Heute fällt es Ihnen, sehr geehrte Angehörige, wie damals unseren
Eltern schwer, zu glauben, dass diese festlich gekleideten jungen Damen
und Herren in den ersten Reihen, jene Kinder sein sollen, denen Sie
noch vor kurzem die Tränen getrocknet, die Schuhe zugebunden und vor
dem Einschlafen Gute-Nacht-Geschichten erzählt haben. Es ist jetzt an
der Zeit, dass Sie lernen loszulassen, damit Ihre Kinder ihren eigenen
Weg finden können.

Trotzdem ist es wichtig, dass Sie, sehr geehrte Eltern und Großeltern,
Ihren Kindern und Enkeln auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite
stehen. Die Entscheidungen werden Ihre Kinder aber zunehmend allein
treffen. Davor müssen Sie keine Angst haben. Denn Ihr erzieherischer
Einfluss, Ihre Liebe und Fürsorge, die Sie Ihrem Kind bis zum heutigen
Tag angedeihen ließen, werden dafür sorgen, dass Ihre Kinder gute
Entscheidungen treffen werden. Ein altes Sprichwort sagt zwar:

Was Du Deinen Eltern schuldig bist, weißt Du erst, wenn Du selber
einmal Kinder hast., aber vielleicht, liebe Mädchen und Jungen, findet
Ihr heute abseits des Trubels Gelegenheit, Eure Eltern einmal in den
Arm zu nehmen und ihnen zu danken für den heutigen Tag und für alles,
was sie bisher für Euch getan haben.

Liebe Mädchen und Jungen,

was wird für Euch in Zukunft wichtig sein? Ich denke, dass wichtigste
was Ihr braucht, sind gute Freunde. Freunde, mit denen man über alles
reden kann. Freunde, die auch zu Euch halten, wenn Ihr Sorgen und
Probleme habt, die Euch helfen durch Beistand, aber auch Kritik.
Freundschaft ist keine Einbahnstraße und lebt davon, dass man nimmt und
gibt. Achtet darauf und vergesst nie, wo Eure Wurzeln liegen, denn die
besten Freunde bleiben Eure Mütter und Väter.

Vielleicht denkt Ihr jetzt: Schon wieder so eine, die alles besser
wissen will. Aber Liebe Mädchen und Jungen, sehr geehrte Gäste, was
wäre eine Jugendweihe-Rede ohne gute Ratschläge?

Wenn Ihr später nach der Schule in die Lehre oder zum Studium geht,
werdet Ihr wieder Leute kennen lernen, die alles besser wissen:

Berufsschullehrer oder Dozenten. Mein Rat: Seid nachsichtig mit ihnen!

Etwas später werdet Ihr dann jemandem begegnen, der immer alles besser
weiß: Eurem Ehepartner. Mein Rat: Seid nachsichtig mit ihm oder ihr!

Und wenn alles seinen üblichen Gang geht, werdet Ihr dann nach einiger
Zeit eine ganz besondere Spezies kennen lernen, die sowieso immer schon
alles besser wusste: Eure Kinder. Mein Rat: Seid nachsichtig mit ihnen!

Und wenn dann Eure Kinder einmal größer werden, dann wird es eines
Tages wieder solch ein Fest wie dieses hier geben. Und dann steht hier
jemand an meiner Stelle und hält eine Rede. Und wenn dann unten in der
ersten Reihe ein Mädchen oder ein Junge fragt: Wer ist denn die da
oben, die so tut, als wüsste Sie alles besser?, dann sagt vielleicht
Euer Sohn oder Eure Tochter: Die da oben ist meine Mutter, seid
nachsichtig mit ihr.

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Euren Gästen für heute und die
Zukunft alles Gute, einen wunderschönen und erlebnisreichen Tag. Die
Welt der Erwachsenen wartet auf Euch! Wir brauchen Eure Ideen, Eure
Kreativität und Euren Mut genauso wie Euren Widerstand.

Sylvia Bretschneider
Präsidentin des Landtages Mecklenburg-Vorpommern

 

Zukunftsperspektiven im Tourismus

mit dem Blick auf das Jahr 2005 wird Mecklenburg-Vorpommern seine positive Entwicklung im Tourismus weiter fortsetzen. Dies erfordert jedoch weitere Anstrengungen um in einem verschärften, weltweiten Wettbewerb Schritt zu halten. Das Urlaubsland mit seinen vielgestaltigen Facetten steht dabei im Mittelpunkt der Anstrengungen.
Gleichfalls wird sich der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern in Zukunft noch stärker um das Thema Tagungstourismus kümmern.

Warum wird gerade derzeit ein solcher neuer Schwerpunkt aufgegriffen, könnte man sich fragen.
Bereits in den vergangenen Jahren hat der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern den Tagungstourismus in sein Marketing eingebaut.

Tatsächlich haben sich jedoch in den letzten Jahren eine Reihe von Faktoren geändert, die insgesamt ein stärkeres Engagement zu diesem Thema notwendig machen. Das sind:

  1. Für einige Angebotssegmente im Tagungsmarkt haben wir durch die neue Autobahnanbindung und verbesserte Flugverbindungen eine neue Erreichbarkeit erzielt. Über 70% der Tagungsteilnehmer reisen mit dem PKW an.
  2. Der Wettbewerbsdruck im Tourismus steigt für unser Land, so dass wir in verschiedensten Segmenten eine bessere Positionierung erzielen müssen.
  3. Tagungstourismus bedeutet Saisonverlängerung. Die meisten Tagungsaktivitäten finden außerhalb der Ferienzeiten statt.
  4. Mit Blick auf die derzeitige wirtschaftliche Situation ist Tagungstourismus ein Stück direkte Wirtschaftsförderung für unsere Region, die wir stärker nutzen müssen.
  5. Der bevorstehende G8 Gipfel biete sehr gute Möglichkeiten, sehr kurzfristig Mecklenburg-Vorpommern sogar im internationalen Rahmen als Tagungsziel zu positionieren. In über 240 Ländern der Welt wird 2007 Mecklenburg-Vorpommern eine Rolle spielen
  6. Das Angebot an Tagungshotels und Möglichkeiten gewinnt im Land an Gewicht.

Als Pluspunkte für den Tagungstourismus in MV gelten der hohe Erlebniswert der Landschaften an Ostseeküste und Seenplatte. Die unzähligen Freizeitmöglichkeiten vom Radfahren über das Reiten, Wandern und Segeln bis hin zum Golfen bieten hervorragende Möglichkeiten für die Gestaltung von Rahmenprogrammen. Die mit MV besonders stark identifizierten Stichworte Natur und Ruhe unterstreichen dazu die Eignung für Seminare. Dass das Land über moderne Tagungseinrichtungen mit komfortabler Ausstattung verfügt, die zudem ein gutes Preis- Leistungs-Verhältnis bieten, und dass das Land als „unverbraucht" und „neu" gilt, runden die Liste der Positiv-Merkmale ab. Eine interessante Tatsache in diesem Zusammenhang ist, dass unser Land über ein überdurchschnittlich hohes Maß, nämlich 25% von den rund 650 Tagungsstätten, an außergewöhnlichen Tagungsstätten wie Schlössern, Scheunen, anderen historischen Bauten oder Schiffen verfügt. Ein Vorzug den es zu nutzen gilt. Firmen bevorzugen eher klassisches und Verbände bevorzugen Außergewöhnliches.
Non-Profit, Pädagogik und Politik dominieren Verbandstagungen und Versicherungen, Pharma- und Finanzunternehmen dominieren im Land die Firmentagungen.

Während die Tagungshotels im Marketing bereits gut aufgestellt sind haben die außergewöhnlichen Tagungsstätten hier Nachholbedarf.

Bei der Einbeziehung der Universitäten und Fachhochschulen in das Tagungsgeschäft gibt es ebenfalls beträchtliche Potentiale, auch wenn deren Anteil an den Tagungsstätten nur ein Prozent beträgt, gehören die Einrichtungen aber zu bedeutenden Entscheidern für Tagungen im Land Mecklenburg-Vorpommern im nationalen wie auch im internationalem Rahmen. Hier ist eine stärkere Zusammenarbeit angesagt.

Insgesamt ist der Tagungsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Blick auf Deutschland jedoch noch ein wenig erschlossener und bekannter Mark. Unter den eingangs angeführten Bedingungen tut sich hier zwangsläufig ein Handlungsfeld auf welches gestaltet werden muss.

Zielstellungen sind:

-Ausbau von Synergien der unterschiedlichsten Anbieter
-Kostenreduzierung im Veranstaltungsmarketing
-Verbesserung der Kommunikation

Über allem steht das Ziel: Keine Veranstaltung darf verloren gehen.

 

Die Rolle des Ehrenamtes in unserer Gesellschaft

Kulturveranstaltungen, Basisarbeit
in Parteien und Gewerkschaften, Betreuung Kranker, Begleitung
Sterbender – viele, viele Organisationen und Dienstleistungen für
unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger gäbe es nicht.
Daher müssen Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement als
Voraussetzung für gelebte Demokratie gefördert und gestärkt werden,
denn es gibt dafür keine Alternativen.
So altmodisch für manche Ohren der Begriff „Ehrenamt" auch klingen mag,
so modern, notwendig und zukunftsfähig ist das, was dahinter steckt:
die Bereitschaft des Einzelnen zur Verantwortung und Solidarität, zum
Engagement für die Gemeinschaft. Wer ehrenamtliches Engagement als
antiquiert betrachtet und für nicht mehr zeitgemäß hält, verkennt somit
die Grundlagen einer freien, demokratischen Gesellschaft. Sie gründet
sich unter anderem auf diese Form des Mitwirkens seiner Bürgerinnen und
Bürger.
Schaut man sich in unserer Gesellschaft mit offenen Augen um, so kann
man feststellen, dass es eine Individualisierung der Lebensweisen und
eine Pluralisierung der Lebensstile gibt, die Veränderungen im Hinblick
auf die Partizipationsbereitschaft mit sich bringen. Daraus resultiert
aber auch eine steigende Bereitschaft, sich spontan für eine gewisse
Zeit zum Beispiel in Initiativgruppen oder Vereinen und Verbänden oder
privat in aller Stille zu engagieren. Dieses Engagement ist ein
zentrales Merkmal für eine lebendige Demokratie.
Freiwillige Arbeit baut aber auch Brücken innerhalb einer Gesellschaft
und zwischen Gesellschaften, zwischen Reicheren und Ärmeren, zwischen
Älteren und Jüngeren. Und die Bereitschaft, anderen zu helfen, macht
auch heute an Grenzen nicht halt.

Sie verstärkt die Bindekräfte, ohne die unsere Gesellschaft nicht leben
kann, und diese Bindekräfte, dieser Mörtel, ist unverzichtbar, er gibt
uns die Luft zum Atmen. Jede Gesellschaft lebt davon, dass es
Bürgerinnen und Bürger gibt, die Verantwortung übernehmen, dass
Menschen nicht darauf warten, dass der Staat handelt oder dass andere
handeln, sondern dass sie selbst etwas tun.

Gelegentlich ist die Auffassung zu hören, die ehrenamtlich und
freiwillig Engagierten seien die Lückenbüßer eines sich zurückziehenden
Staates. Gleichermaßen gibt es die Sorge, Bürgerarbeit könne oder solle
Erwerbsarbeit ersetzen, ja dazu führen, dass bezahlte Arbeitsplätze
verschwinden. Beides halte ich für falsch. Der Staat kann und soll doch
gar nicht alle Aufgaben selbst übernehmen und zu seinen eigenen machen.

Erstens, weil er die Mittel nicht hat, und zweitens, weil es Leistungen
und Hilfeleistungen gibt, die man weder verlangen noch einfordern, die
man sich nur schenken lassen kann.
Bürgerschaftliches Engagement kann somit auf Ressourcen zurückgreifen,
die weder dem Staat noch dem Markt zur Verfügung stehen: flexible
Zeiteinteilung, lokale Netzwerke, vertrauensvolle Beziehungen und nicht
zuletzt der Idealismus der Engagierten.

Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität sind unbezahlbare
Werte. Sie können weder durch Gesetz noch durch Verordnung erzwungen
werden, sie müssen praktisch gelebt werden und sie werden von vielen
gelebt, die anderen das Wertvollste schenken, über das sie verfügen:
ihre Zeit.

Das zeigt, für unsere Gemeinschaft, für unsere Gesellschaft, für unser
Gemeinwesen ist der ehrenamtliche Einsatz unverzichtbar. Der Staat kann
dieses Engagement gar nicht ersetzen, weil er es selber nicht erbringen
könnte. Der Staat soll sich aus seiner Verantwortung für gleiche
Lebenschancen und soziale Gerechtigkeit nicht zurückziehen. Dies war
aber noch nie eine Aufgabe, die alleine durch den Staat bewältigt
werden konnte. Der Staat organisiert das soziale Netz, das die großen
Risiken des Lebens absichert. Errungenschaften, die in Deutschland
aufgebaut wurden und die es auch in Zukunft zu bewahren und zur
Erhaltung umzugestalten gilt. Der Staat kann aber nicht verfügen, dass
unsere Gesellschaft mitmenschlich und solidarisch ist. Gemeinwohl muss
daher erarbeitet werden, zunehmend auch unabhängig von staatlichen
Strukturen. Hierzu bedarf es tatkräftiger Menschen. Menschen, die
Defizite erkennen und sich in die Pflicht nehmen lassen. Menschen, die
Verantwortung übernehmen und dazu beitragen, dass Veränderungen
Wirklichkeit werden.

Die zunehmende Ökonomisierung und Globalisierung setzen dem
Solidaritätsgedanken in unserer Gesellschaft zu. Das Arbeitsleben ist
unsteter und flexibler geworden. Das Zusammenleben in unserer Welt wird
immer komplexer. Umso intensiver muss daran gearbeitet werden, das
heimatliche Umfeld stabil zu halten. Denn das Vertraute, eben das, was
unsere Heimat ist, bewahrt vor Anonymität und Vereinsamung.

An diesem Punkt setzt das Ehrenamt an. Zur Gestaltung des heimischen
Umfeldes bedarf es aktiver Menschen, die sich dieser Aufgabe in nahezu
allen Bereichen der Gesellschaft annehmen. Vor Ort wird spürbar, wie es
um ein Gemeinwesen bestellt ist. Daher ist es nach meiner Meinung
gerade auch wichtig, bei jungen Menschen so früh wie möglich eine
positive Haltung zum Helfen und zum sozialen Engagement zu fördern,
denn was das Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmermehr. Wer sich
als Jugendlicher engagiert, kann im späteren – sowohl privaten als auch
beruflichen – Leben auf ein nützliches Erfahrungspotential
zurückgreifen. Der Lerneffekt, der erzieherische Wert ist groß, denn
der Jugendliche lernt auf praktische Weise ein soziales Umfeld kennen,
das ihm Verantwortung überträgt, ihn seine Zukunft mitgestalten lässt.
Eine Herausforderung, die junge Menschen brauchen und der sie sich
meiner Meinung nach auch stellen – wenn sie ihnen denn geboten wird!
Eine Gesellschaft ist nur so gut wie die, die in ihr wirken. Erich
Kästner formulierte dies, wie ich meine, sehr treffend mit dem allseits
bekannten Satz: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Daher
verdanken wir den ehrenamtlich Tätigen, dass Solidarität als positives
Erlebnis auch heute noch erfahrbar ist. Dabei ist ehrenamtliches
Engagement generationsübergreifend und generationsverbindend. Es
verbindet Gleichgesinnte und hilft auch scheinbar Ausgegrenzten, es
überwindet Grenzen und öffnet neue Horizonte.
Denn alle Programme und Vorhaben, alle Projekte und Pläne wären
vergeblich, ließen sich nicht Menschen wie Sie finden, die bereit wären
mitzuhelfen, eine humane, solidarische und lebenswerte Gesellschaft zu
bauen. Menschen, die ein großes Projekt verwirklichen oder die ganz
einfach dort anpacken, wo sie gerade stehen, mit den Mitteln, über die
sie verfügen, und die denjenigen helfen, denen sie begegnen. Menschen
die nicht sagen, „man kann doch nicht allen helfen", und deshalb keinem
helfen. Menschen die spüren, dass wir nicht nur für das verantwortlich
sind, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.
All diese Menschen sind Vorbilder. Ihnen schulden wir Dank und Anerkennung.

 

Position: Krieg im Nahen Osten

Im Nahen Osten ist nach wie vor Krieg. Kann man in einer Zeit, in der
täglich tausende Menschen, darunter unzählige Zivilisten, in
kriegerischen Auseinandersetzungen sterben überhaupt ruhigen Gewissens
Kunst und Kultur machen?

Es fällt uns allen schwer, uns in diesen Tagen auf Kunst, Kultur und
Musik zu konzentrieren. Zu sehr überschatten die Ereignisse im Nahen
Osten unser Leben – das Feinsinnige und Schöngeistige tritt in den
Hintergrund, wenn es für viele Frauen, Männer und Kinder um ihr Leben,
ihre Gesundheit und ihr weniges Hab und Gut geht. Im Golf-Krieg Anfang
der 90er Jahre wurden uns anfangs im Fernsehen Bilder eines Krieges
gezeigt, denen zufolge ausschließlich strategisch bedeutsame Ziele
angegriffen wurden. Wir haben damals erst viel später gesehen, wie viel
Leid über die Menschen gekommen ist und ich befürchte, wir werden auch
diesmal wieder erst später erfahren, was der Krieg angerichtet hat. Es
werden unzählige Opfer zu beklagen sein. Und das es diese Opfer schon
gibt oder noch geben wird ist nicht die Folge eines unabwendbaren
Schicksals, etwa einer Naturkatastrophe, die nicht zu beeinflussen ist.
Nein, es ist die Folge von Entscheidungen von Staatsoberhäuptern, die
sich auf beiden Seiten als unfähig oder unwillig erwiesen haben,
Konflikte mit nicht kriegerischen Mitteln zu bewältigen.

Ich wünschte wir wären zu Beginn des 3. Jahrtausends auf einer Stufe
der Kultur angelangt, in der Krieg kein Mittel der Auseinandersetzung
und Konfliktbewältigung mehr ist. Insoweit setze ich vor allem auf die
jungen Menschen unter uns, dass es ihnen gelingt, einen Schritt weiter
auf dem Weg zu einer friedlicheren Welt zu kommen.

Die Voraussetzungen dafür sind bei den jungen Künstlerinnen und
Künstlern ideal. Musik ist rund um den Globus verbreitet, ist sozusagen
eine internationale Sprache, die überall in unserer Welt gesprochen
wird. Insofern kann Musik ein sehr gutes Instrument für internationale
Verständigung, für interkulturelle Kontakte darstellen. Ich weiß, dass
viele Musikschulen unseres Landes diese Chance nutzen und eine
Begegnung der Kulturen fördern, den Austausch mit Musikschulen in
anderen Ländern pflegen.
Musik verbindet Menschen überall auf der Erde. Ob Klassik, Jazz oder
Rock und Pop – Musik hat nie etwas Trennendes sondern immer etwas
Gemeinsames und Verbindendes. Junge Menschen, die eine weltweit
gemeinsame Sprache sprechen – das ist unsere Zukunft, auf die wir bauen
sollten.

 

Zur Eröffnung des neuen Standortes

Es ist gelungen, eines der wenigen erhaltenen Fachwerkgebäude dieser Stadt einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Ein Gebäude, bei dem schon aufgrund des äußeren Anblicks die Assoziation von Museum und Kunst aufdrängt.

Seit dem 12.April 03 haben die Werke der 1982 wiedergegründeten Kunstsammlung Neubrandenburg eine neue Heimstatt. Die anfangs auf 5 Jahre gedachte provisorische Bleibe am Pferdemarkt 1 blieb es über 20 Jahre. Das über viele Jahre dauernde Provisorium ist nunmehr beendet.

Mit dem Umzug erhält die noch junge, aber qualitätsvolle Sammlung ein neues Domizil mit besten Voraussetzungen für die umfangreichen musealen Aufgaben. Durch die Verbindung des alten Fachwerkbaus mit dem neuen Gebäude auf dem Innenhof ist es gelungen, historische Substanz mit moderner Architektur zu verknüpfen, und einen Museumskomplex zu schaffen, der höchsten Ansprüchen gerecht wird. Entstanden ist ein Ort der Bildung, aber auch ein Ort der Muße und des Kunstgenusses. Mit dem neuen Standort der Kunstsammlung stehen den Besucherinnen und Besuchern nicht nur repräsentative Ausstellungsräume offen, in denen sie sich vor allem mit ostdeutscher Kunst des 20. Jahrhunderts vertraut machen können. Es ist zugleich die Möglichkeit geschaffen worden, die Exponate, die momentan nicht aktuell ausgestellt werden, fachgerecht aufzubewahren, um sie auch für nachkommende Generationen zu erhalten.

Viele der Exponate sind in der Zeit der DDR entstanden. Ob es sich deswegen um typische „DDR-Kunst" handelt muss ebenso wie die Frage, wie diese aus künstlerischer Sicht zu beurteilen ist, der Bewertung jedes einzelnen überlassen werden. Sicherlich gibt es neben objektiven Maßstäben, nach denen sich Kunst beurteilen lässt, auch solche, die von der jeweiligen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation abhängig sind – ganz zu schweigen vom Aspekt des persönlichen Geschmacks, der gar keiner Bewertung zugänglich ist. Es ist daher besonders interessant, mit welchen Eindrücken vor allem künftige Generationen die Ausstellungen der Kunstsammlung Neubrandenburg betrachten werden.

Dass es sich den Exponaten der Kunstsammlung zumeist um Kunst des 20. Jahrhunderts handelt, ist nicht zuletzt dadurch bedingt, dass gegen Ende des 2. Weltkrieges nach dem Stadtbrand die bedeutenden Exponate der damals bestehenden Kunstsammlung verschwunden waren und die Sammlung neu aufgebaut werden musste.

Kunstmuseen in Mecklenburg-Vorpommern, obwohl zahlenmäßig gering im Vergleich mit den anderen Museumsgattungen, leisten mit ihren Sammlungen und qualitätsvollen Ausstellungen – verbunden mit umfangreichen Rahmenprogrammen – einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Vielfalt in unserem Land.

Neben dem Staatlichen Museum Schwerin, der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow, der Kunsthalle Rostock und der Galerie des Pommerschen Landesmuseums Greifswald ist nun ein weiterer attraktiver Standort für die Kunstvermittlung des 19. und 20. Jahrhunderts in Mecklenburg-Vorpommern geschaffen worden. Diese Einrichtungen ergänzen sich in ihren Sammlungen und unser Land bietet attraktive Angebote für Bildung und Tourismus.

Die Kunstsammlung Neubrandenburg stellt einen regionalen kulturellen Schwerpunkt für Mecklenburg-Vorpommern dar. Ihr Umzug bedeutet eine qualitative Erweiterung unserer Museumslandschaft sowie die Schaffung eines weiteren touristischen Anziehungspunktes in der Region Ostmecklenburg.

Neben der Konzertkirche wird sich auch die Kunstsammlung Neubrandenburg als wichtiger und dauerhafter Identifikationskern von hoher Anziehungskraft sowohl für die heimische Bevölkerung als auch für Besucherinnen und Besucher unseres Landes entwickeln, so meine feste Überzeugung.

Als Gegenwartsmuseum begleitet die Kunstsammlung in ihrem Sammlungsanliegen vor allem den aktuellen Kunstprozess regional wie überregional, fühlt sich aber auch der Tradition verpflichtet. Erinnert sei u.a. an die Künstler Marie Hager und Paul Holz, deren Werke heute auch überregional gewürdigt und geschätzt werden – dank der Präsentation und Vermittlungsarbeit der Kunstsammlung.

Die Stadt Neubrandenburg bietet mit ihrer Kunstsammlung und der Konzertkirche als kulturtouristische Ziele eine einzigartige Verbindung von Kunst, Kultur und Tradition an. Damit ist sie lobenswerterweise mit dem heutigen Tag auch eine finanzielle Verpflichtung eingegangen, nämlich dieses Haus dauerhaft zu unterhalten. Das ist in den heutigen Zeiten knapper Kommunalkassen keineswegs selbstverständlich und deswegen ausdrücklich zu würdigen.

In den zurückliegenden Jahren hat das Land Mecklenburg-Vorpommern die Arbeit der Kunstsammlung im Rahmen der Projektförderung im Hinblick auf den Umzug maßgeblich unterstützt und somit zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut beigetragen. Auch künftig soll ein Förderschwerpunkt im Bereich der Kunstmuseen des Landes liegen.

Dank gilt der Stadtvertretung Neubrandenburg für ihren Mut und ihre Weitsicht in Bezug auf den neuen Standort der Kunstsammlung.

Dank auch der Leiterin der Kunstsammlung Frau Dr. Merete Cobarg und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der ehemaligen Leiterin Dr. Ruth Crepon, für die fachwissenschaftliche Arbeit und das langjährige Engagement für die Umsetzung dieses Projektes. Dank gilt den Mitgliedern des Freundeskreises der Kunstsammlung Neubrandenburg e.V. und dabei insbesondere dem Vorsitzenden,Hern Christoph von Kaufmann sowie dem ehemaligen Vorsitzenden, Herrn Eckehart Lockau, und dem ehemaligen stellvertretenden Bürgermeister Helmut Zimmermann für das Engagement bei der Regelung der Unterbringung der Kunstsammlung.

 

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